Ich hoffe noch nach der letzten Kurve an dem häßlichen Wetter vorbeizukommen aber die darauffolgende Kurve steuert mich direkt hinein. Ich halte an und ziehe mir meine Regensachen über, als es bereits zu tröpfeln beginnt und dann bin ich mitten drin! Es schüttet ordenlich und die Temperatur geht weiter runter. Die Handschuhe sind bald durch aber durch die Griffheizung fühlt es sich nicht ganz so wild an. Das Unwetter zieht zum Glück schnell und so tauche ich kurz vor El Calafate aus dem Regen auf und fahre die letzten Kilometer im Trockenen ans Hostel. Ich nehme wieder das Lago Argentino, da meine Erfahrung damit sehr positiv warem. Allerdings ist doch immernoch eine Menge los und ich bekomme ein Mehrbettzimmer für mich allein, mit geteiltem Bad. Ich nehm mir tatsächlich noch einmal drei Tage hier. Der erste Tag geht für das Motorrad drauf. Die Schotterpisten haben auf der Carretera Austral und in Feuerland ihre Spuren hinterlassen und mein Heidenau K60 Ranger mit dem ich eigentlcih ganz zufrieden war ist doch schon ziemlich runter. Das würde mich vielleicht gar nicht so stören aber an der einen Stelle hat er einen Riß, der mir nicht so gut gefällt und ich habe definitiv noch ein paar ordentliche Schotterpisten vor mir. Unter anderem noch einmal die 73 Malditos. Mir ist nicht so richtig wohl damit und so suche ich mir einen Ersatzteilhändler, den ich anfahre. Der hat tatsächlich die richtige Größe für mich, allerdings nur was grobstolliges. Es ist mir in dem Moment aber egal, also schlage ich zu und er empfielt mir eine Gomeria, also einen der meinen Reifen wechseln kann. Der Reifen selber ist mal echt nicht preiswert aber dafür zahle ich für den kompletten Wechsel einen umgerechneten Fünfer. Ich finde die Arbeitsweise in der Gomeria spannend oder sollte ich besser sagen interessant? Ich bin der einzige Kunde und alles läuft irgendwie ganz gemach ab und dann will der neue Reifen nicht so richtig auf die Felge. Also heble ich ein wenig mit aber immer schön tranquilo! Nach einer guten halben Stunde habe ich einen neuen Reifen drauf und fühle mich tatsächlich besser damit. Ein weiterer Tag geht für die Homepage drauf und ich komme mit Particia, die mich eingecheckt hat etwas mehr ins Gespräch. Irgendwann stellt sich heraus, daß sie eine Zeit lang bei Klaus gearbeitet hat, da wo ich auch drei Tage Station gemacht hatte! Verrückte kleine Welt!! Die verbleibende Zeit nutze ich, um mir noch etwas den Ort anzuschauen und unten am See durch das kleine Naturschutzgebiet zu erkunden.
Ich bin wieder auf der Piste. Alles Wege, die ich schon in die andere Richtung gefahren bin, also bekanntes Terrain aber trotzdem schön, diesmal die andere Perspective zu haben. Das Wetter ist klar und so genieße ich die herrlichen Aussichten auf die vom ewigen Eis bedeckten Berge im Westen. Ich halte noch einmal am Lago Argentino und am Lago Viedma, von dem aus ich noch einmal den Fitz Roy bewundere. Hier spricht mich eine kleine Familie aus Nürnberg an, die gerade ihren Urlaub hier verbringen. Sie hatten natürlich mein deutesches Kennzeichen erkannt und daraufhin gefragt, was ich hier machen. Wir tauschen Instagram aus, so langsam verstehe ich, warum ich auch Instagram haben musste. Eigentlich fragen alle danach. Vielleicht sollte ich da etwas aktiver werden. Ab jetzt wird es wieder viel gerade Straße und Pampa um mich herum geben. Es dauert nicht mehr lange und dann habe ich die 73 Verfluchten vor mir! Aber da, wo ich mich noch auf dem Hinweg abgelegt habe flutscht es heute ganz hervorragend. Haben sie in der Zwischenzeit die Strecke mal wieder gerade gezogen und planiert!? Mir scheint es ganz so, weil ich diesmal wirklich keinen so tiefen Schotter fahren muß. Ganz im Gegenteil, ich wundere micht tatsächlich, dass es heute so gut läuft! Und dann bin ich auch schon durch und verstehe gar nicht, was beim letzten Mal so kompliziert war. Sie haben definitif etwas an der Straße gearbeitet! Ich lasse diesmal Gorbernador Gregores aus und fahre die ehemalige Strecke der R40 und da ist dann auch wieder mehr Wellblech und Schotter angesagt. Aber es ist einfach mal wieder eine andere Aussicht und es macht Spaß. So mitten im Nichts an einem 90° Winkel in der Straße will ich ins Las Horquetas Hotel de Campo. Ich will es nicht zu spät werden lassen! Aber als ich da ankomme ist da tote Hose! Ich klingel und klopfe hier und da und sehe durch das Fenster, dass das Hotel nicht verlassen ist aber scheinbar ist gerade keiner zugegen. Na gut, also weiter und dann jetzt bis Bajo Caracoles, vielleicht kann ich da das „Out of Rosenheim – Feeling“ noch einmal einfangen. Wieder fahre ich um die Schlaglöcher auf dem ewig geraden Stück und zähle meine Punkte, bis ich endlich in dem Miniort Bajo Caracoles ankomme. Tatsächlich kann ich mir dort ein Zimmer nehmen, es ist alles da! Es war eine lange Tour heute aber ich will den Sonnenuntergang nicht verpassen, also schlüpfe ich fix in die anderen Klamotten, hole mir ein Bier und gehe ein Stückchen hinter das Dorf, wo wohl vor vielen Jahren mal ein Zeltplatz gewesen sein mus! Es ist wunderbar ruhig und eine fabelhafte Abenstimmung kommt auf! Die letzten Straheln die über die Berge kommen lassen das Pampagras ganz wunderbar leuchten! Es wird frisch und das Bier ist leer. Ich schlendere zurück und hocke mich in den Verkaufsraum, der zugleich Rezeption und Restaurant ist und esse ein einfaches Mahl umgeben von Truckern, die hier ebenfalls ihre Nacht im LKW verbringen werden.
Nach einem kleinen Frühstück gehts zu den Cuevas de los Manos Unesco Weltkulturerbe. Ich hätte sie fast verpasst, wenn ich nicht den Tipp dafür bekommen hätte. Die Strecke dorthin ist wirklich schön, natürlich Schotter, vor allem auch weil mir viele Guanacos und Nadus über den Weg laufen. Es sind knappe 50km also eine Stunde, die ich bis hin benötige aber ich genieße die Fahrt an diesem Morgen sehr! Und dann fahre ich hin die Schlucht hinunter und es entfleucht mir mal wieder ein WOW! Als wenn sich plötzlich in der ganzen Pampagegend ein kleines Paradies öffnet! Es gibt nur geführte Touren aber ich muss zum Glück nicht lange warten. Ich werde die Führung mit eine Gruppe Japaner machen, die sich für ihren Urlaub eine Motorradtour ausgesucht haben. Sie sind geführt auf Royal Endfields unterwegs und wollen natürlich auch Kultur ansehen. Dieser Taleinschnitt ist wirklich grandios! Vielleicht garnicht so sehr wegen der Höhe der Wände, sondern eher dem Grün und dem Flußlauf die alles anmuten lassen, als wäre man in einem kleine Jurassic Park. Unsere Gruppe ist klein, also nur die Japaner und ich, also findet die Führung auf Englisch statt und damit verstehe ich dann auch tatsächlich mal alles! Nomaden die hier vor tausenden Jahren lebten, hin un her zogen und jagten hinterließen ihre Identitäten, indem sie ihre Hände auf die Wände drückten und mit Farbe übersprühten. Die Hände sind beeindruckend und durch Klima und Felsvorsprünge super erhalten. Zum teil über 10.000 Jahre alt faszinieren sie unwahrscheinlich bei dieser Vorstellung! Teils gibt es abgebildete Tiere und Jagdszenen, Waffen und Werkzeuge in Bildern an den Wänden verewigt! Einfach unglaublich!! Es ist wohl die bekannteste Höhle, beziehungsweise diese Malereien und öffentlich zugänglich aber es gibt dort in vielen anderen Hölen und Nieschen mit vielen weiteren Händen an den Wänden. Es wäre wirklich schade gewesen das zu verpassen!
Ich könnte für den Rückweg noch etwas anders fahren aber Bajo Caracoles ist die einzige Möglichkeit in der näheren Umgebung ein paar Kleinigkeiten zu kaufen und etwas zu essen. Also rauf ausf Motorrad und zurück. Ich bin gerade ein paar Meter angerollt als plötzlich der ortsübliche Hund meint mich ankläffen zu müssen. Er taucht an meinem linken Bein auf und macht ein wildes Getöse, so urplötzlich dass ich etwas erschrecke und Gas geben will doch leider etwas zu doll. Mich verreißt es etwas, ich komme ein kleinwenig hin den Hang rein und kippe um! Sch….! Und das mal wieder vor aller Augen!! Ich habe das Motorrad schon aufgestellt, als einer der Ranger mit dem Pickup neben mir steht und fragt ob er helfen kann und ob alles in Ordnung ist. Ja kein Ding, todo bien, sage ich Zähne knirschend! Ich sitze auch schon wieder auf und rolle los aber ärgere mich maßlos, dass ich nicht lockerer reagiert habe. Eigentlich dürfte ich das ganze Hundetheater nun mitlerweile kennen!!! Ich lasse den Sturz Sturz sein und versuche einfach wieder die Kulisse zu genießen. Die Berge die teilweise im Hintergrund schneebedeckt hervorragen, werden heute noch mein ungefähres Ziel sein. Ich erfrische mich noch einmal etwas in Bajo Caracoles, esse eine Kleinigkeit und überlege wie ich weiter fahre. Ich will bis Los Antiguos an der Grenze zu Chile und hier die R41 nehemen. Von vielen hatte ich gehört das die Strecke wesentlich schöner wäre als auf der R40 zu bleiben. Die japanische Reisegruppe trifft einige Zeit später ein, wo ich mich schon wieder auf den Weg mache, ein Stück die R40 Richtung Norden und dann biege ich ab auf die 103 die mich bis kurz vor Paso Raballo führen soll, um dann auf die R41 nach Norden zu gelangen. Der Einstieg runter vom Asphalt ist gleich mal wieder Schotter und gar nicht mal so ohne. Zwischendurch wird es auch noch einmal ruppiger aber dan beruhigt sich der Weg und ich kann mehr noch oben schauen. Wenn ich heute bis Los Antiguos durchfahre, dann müsste ich sicher ins Dunkle fahren, also werde ich für diese Nacht mal wiedre das Zelt nehmen. Und tatsächlich finde ich eine ganz entzückende Stelle an einem Bach, wo ich es mir gemütlich machen kann. Ein Stückchen ab von der Straße, mit einer geraden Wiese, Bächlein, ein paar Bäumen und herrlicher Kulisse stelle ich das Zelt auf koche und trinke den Rest Wein, den ich am Abend zuvor vom Abendbrot übrig gelassen hatte! Das Leben ist schön!!
Die Nacht war angenehm ruhig und zum Toilettengang gabs wieder volle Dröhnung Sternenhimmel. Es könnte Nachts ruhig ein bisschen wärmer sein aber ansonsten könnte ich mich fast dran gewöhnen…! Die Morgenroutine greift und nach einem erfrischenden Bad im Bach und nachdem alles gepackt ist geht es weiter, bis ich wieder auf das Stückchen stoße, das ich vom Paso Raballo aus in entgegengesetzter Richtung gefahren bin. Ich versuche es mal mit der Drohne, um mich begleiten zu lassen. Nach dem dritten Ansatz funktioniert es auch ganz super und der kleine Flieger kreist schön um mich herum, den Focus immer aufs Motorrad gerichtet. Das wird hoffentlich eine klasse Aufnahme geben! Vielleicht hätte ich dafür aber auch auf Aufnahme drücken sollen! Ein Teil des vorherigen Materials werde ich wohl benutzen aber so ein Mist das die guten Flugmanöver nicht aufgenommen sind! Ich schlage die R41 nach Norden ein, der Weg lässt sich problemlos fahren und so geniße ich mal wieder den Tag. Allerdings frischt es weiter oben ganz gut auf und Wolken verdecken die Sonne. Auch auf dieser Strecke verändert sich die Landschaft teil weise sehr stark. Anfangs nur kahle Berge, die dann in sanftere Landschaft übergehen, mit grünen Flußtälern und mal wieder grandios zerklüfteten Felsen auf der weit gegenüber liegenden Seite. Ich erreiche Los Antiguos, halte an einem Aussichtspunkt und fahre kurz drauf in den Ort. Ich könnte auch gleich nach Chile Chico auf die Chilenische Seite wechseln, will mir aber den Ort noch anschauen. Aus dem Hostel in El Calafate weiß ich, dass, seitem nach einem großen Vulkanausbruch es hier Asche geregnet hat, sie überdimensional große Kirschen ernten. Ich hatte zwar schon einmal geschaut gehabt, was es hier so an Unterkünften gibt, hatte mir aber noch nichts rausgesucht. Also Fahre ich ersteinmal an die Tankstelle. Ich komme mit dem jungen Burschen, der das Motorrad betankt etwas ins Gespräch und frage ihn, wo man denn hier einigermaßen gut unterkommen kann. Natürlich hat er gleich ein paar Cabañas als Vorschlag. Nach einer Extrarunde finde ich sie auch und bekomme ein Hüttchen mit allem Nötigen, um mich selber zu versorgen. Viel ist vom Tag nicht übrig und es wird schon dunkel, also suche ich mir einfach noch ein Restaurant, scheinbar auch das Einzige in der Nähe. Irgendwann fängt es von oben aus der Decke auf meinen Tisch zu tropfen. Ich nehme das Wörterbuch, schlage Tropfen nach und frage ob ich den Tisch wechseln kann. Wieder ein neues Wort, das Leben ist eben doch der beste Lehrer. Für den nächsten Tag ist Regen angekündigt und ich als Schönwetterfahrer hänge noch einen Tag dran, um die Zeit zu nutzen und Geschichten zu schreiben. Als am Nachmittag der Regen nachlässt traue ich mich dann doch mal vor die Tür! Auf dem Hauptplatz des Städtchens an der Touriinfo ist eine große Plastik als Schale mit Riesenkirschen aufgestellt. Das ist so das Einzige, was ich entdecke und was auf die großen Krischen hinweist. Ich drehe meine Runde entlang des Seeufers, von wo mir ein stürmischer Wind entgegen bläst und über dem sich weit draußen dunkle schwarze Wolken austoben. Es ist der gleiche riesige See, an dem ich vor ein paar Wochen schon eimal war, nur viel weiter westlich auf der Chilenischen Seite in Puerto Rio Tranquilo bei den Marmorhölen.
Tags drauf überquere ich die Grenze! Auf der chilenischen Seite bin ich tatsächlich mal so frei, das Gläschen Honig in den Einfuhrpapieren anzugeben. Natürlich wird es eingezogen. Honig und einige ander Sachen, wie frische Lebensmittel sind nicht erlaubt. Allerdings scheint der Honig Anlass zu sein, dass ich mein komplettes Gepäck durchleuchten lassen muss. Es ist das erste Mal, daß ich so heftig durchsucht werde. Meist waren es davor immer nur stichprobenartige Kontrollen. Das kostet mich etwas Zeit aber die habe ich ja. Chile Chico ist nicht weit und als ich durch den Ort tuckere, denke ich mir so, es wäre wahrscheinlich der schönere Platz für die letzten zwei Nächte gewesen. Aber was solls! Ich stoppe einige Male, um von der Straße entlang des Sees auf das Wasser und die gegenüberliegenden Berge zu schauen. Einfach herrlich! Meine Tagesreise endet in Puerto Rio Tranquilo und wieder ist es nicht so einfach eine Unterkunft zu bekommen. Ich bekomme die Empfehlung für ein Hostal, was ganz nett und recht neu sein soll. Ja, sie haben noch ein Bett im Zimmer mit zwei Doppelstockbetten frei. Gut, ich lasse mich darauf ein, frage mich aber bereits beim betreten, ob das eine gute Idee war. Irgend jemanden seine Schuhe richen ganz hervorragend nach einer langen Wanderung, oder lange keine Seife mehr gesehen. Mal sehen, wie das enden wird. Ansonsten ist eigentlich alles in Ordnung. Ich drehe noch eine Runde durch den Ort, kenne mich ja nun schon aus, esse und gehe wie die anderen doch relativ zeitig ins Bett. Der Geruch ist verschwunden, da hat sich doch jemand gekümmert. Immerhin! Dafür bleiben die Nacht die Fenster zu und es wird warm. Ich weiß, warum ich nicht so sehr für Mehrbettzimmer gemacht bin! Ich habe dann doch noch eine gewisse Eigenscham. Ich versuche nicht zu viele Geräusche zu machen, was natürlich nicht so einfach ist, wenn das Bett das obere ist. Und natürlich versuche ich möglichst keinen lautstark und befreiend fahren zu lassen! Ob ich schnarche weiß ich nicht, hoffe aber, daß die anderen drei sich so wie ich Ohrstöpsel reingemacht haben. Packen, tanken, frühstücken und ich bin wieder auf Schotter. Diesmal ist nicht mehr ganz so viel Verkehr und es staubt auch nicht ganz so sehr, da die Starßen noch feucht sind. Mitten drin unterwegs mache ich einen Mittagsstop und treffe dort als ich wieder losfahren will einen, mit einem roten Bulli. Ein schönes Auto und ich bin mir sicher, ich hatte ihn vor einigen Wochen in Chaitén gesehen. Wir tauschen unsere Aufkleber und somit Istagram aus und ich schicke ihm ein paar Tage später tatsächlich, das Foto von ihm und seinem Auto aus Chaitén zu.
Als ich auf dem Weg nach Süden Mittag in Puerto Cisnes gemacht hatte, hatte ich noch gedacht, das wäre doch mal ein Ort, um ein zwei Tage zu bleiben und so steuere ich ihn an. Ich bekomme ein kleines Zimmer in einer Pension mit geteiltem Bad und Früstück. Natürlich nutze ich wieder einen Tag um zu schreiben und Film zu machen, da ich damit eigentlich ständig hinterher bin. Zudem überlege ich mir wie ich weiter fahren will. Eigentlich bleibt nur die Careterra Austral wieder zuück bis Puerto Montt zu fahren oder doch noch einmal auf die Argentinische Seite zu wechseln und auf der R40 nach Norden zu streben. Aber was ich dazu gehört hatte, soll das nicht so besonders spannend sein. Als ich allerdings die große Fähre in Puerto Cisnes anlegen sehe, frage ich mich, ob das nicht „die“ Option wäre. Ich hatte schon immer mal wieder auf die Insel Chiolé in der Karte geschielt aber erst nach Puerto Montt fahren und dann wieder runter wollte ich eigentlich auch nicht. So schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe! Ich muss nicht die selbe Strecke auf der Careterra Austral zurück und komme trotzdem auf die Insel und kann sie von Süden her aufrollen. Aber natürlich gibt es wieder einen kleinen Haken am Ganzen! Ich hole mir ein Ticket für den 14.03. am Abend um 23:00 Uhr. Das ist die lange Fähre, die ungefähr 20 Stunden unterwegs ist! Darauf habe ich eigentlich keine so richtige Lust. Es gibt morgens um 08:00 Uhr eine, die nur ca. 12 Stunden unterwegs ist aber da gab es kein Platz mehr fürs Motorrad. Ich will es riskieren! Zur Not muss ich in den sauren Apfel beißen und den Tag bis abends aussitzen! Ich frage im Hostel, ob ich zur Not tags über im Aufenthaltsraum bleiben könnte und bekomme das ok. Obwohl der Inhaber schon sehr skeptisch ist, daß ich mitkommen werde! Es ist so gar nicht meine Zeit aber ich bin früh raus und stehe um sechs am Hafen am großen Tor wo es zur Laderampe geht. Natürlich ist das Tor noch zu und keine Fähre da und alles wirkt verschlafen. Ein Mitarbeiter kommt vorbei und ich erkläre ihm meine Situation. Er versteht was ich will, bittet aber mich zu gedulden und auf dem Parkplatz nebenan zu warten. Von dort werden dann die PKW eingewiesen, wenn es auf die Fähre geht. Ich hätte sicher noch eine Stunde länger im Bett bleiben können. Es zieht sich! Neben mir parkt ein PKW und ich komme mit Christian ins Gespräch. Zumindest, das was mit meinen rudimentären Spanischkentnissen funktioniert. Er ist mit seiner Frau im Urlaub und auf der Rückreise nach Santiago. Er bietet mir einen heißen Kaffee an, den ich dankend annehme! Es dämmert und dann kommt die Fähre, die aber erst einmal ablädt. Christian hatte für mich auch nocheinmal gefragt und was wir rausgefunden hatten war, dass ich, wenn die Beladung soweit abgeschlossen ist, das OK vom Kapitäön brauche. Also warte ich! Ich hätte ganz sicher zwei Stunden länger im Bett bleiben können! Irgendwann fahren die ersten LKW und dann auch PKW aufs Deck und dann scheint die Beladung fertig zu sein! Auf meinem Parkplatz sind alle eingewiesen und bereits auf dem Schiff. Haben sie mich vergessen? Ich trete von einem Bein aufs andere! Heute noch bis 23:oo Uhr die Zeit tot schlegen und dann noch 20 Stunden fahren. Ein Graus! Der Einweiser winkt mir dann doch zu und ich soll mal los machen! Verdammt, fällt mir ein Stein vom Herzen! Ich stelle das Motorrad quer vor ein Auto und dann wird es von zwei seiten ordentlich festgezurrt, so wie alle anderen fahrzeuge auch! Ok, denke ich, muss ich mir Gedanken machen? Aber sie wissen sicher was sie tun und warum! Ich schnappe mir meinen kleine Knautschrucksack, packke die Crocs bisschen was zu essen und Wasser ein und begebe mich nach oben. Plätze sind genügend da und so schnappe ich mir eine Dreierreihe am Fester und richte mich ein.
Mit etwas Verzögerung legen wir ab und nachdem ich dem verschwindenden Puerto Cisnes zugesehen habe mache ich es mir auf meinem Sitz gemütlich und döse vor mich hin. Es liegen ca. 12 Stunden vor mir, also reichlich Zeit um auch irgenwann mal an Deck zu gehen. DIe Fjorde sind nett anzusehen aber es zieht sich etwas zusammen und so ist die Szenerie nicht ganz so spannend. Auf den Monitoren läuft ein Film, den ich mit einem Auge verfolge, um dann wieder für ein paar Minuten einzunicken. Irgendwann hat es sich ausgedöst und wir fahren langsam aus den Fjorden raus und in weiteres Wasser. Die Sonne hat sich breit gemacht und es scheint ein herrlicher Tag auf dem Schiff zu werden. Der Blick zurück ist genial und nach vorn scheinen wir auf die offene See zuzusteuern. Es weht ein frisches Lüftchen, so dass es nur im Windschatten in der Sonne auf dem Freiluftdeck oben angenehm warm ist. Hin und wieder entdecke ich eine Robbennase, die aus dem Meer blickt und tatsächlich auch in der Ferne eine Fontänes eines Wals und die Flosse die im Meer verschwindet. Wir machen am Nachmittag einen Zwischenstop in Melinka das auf einer der letzten Inseln Richtung Norden liegt. Jetzt ist die Fähre richtig voll und auch der letzte Fahrzeugplatz belegt! Um so froher bin ich, auf dieser Tour dabei zu sein. Als wir den Hafen verlassen haben gibt es von Westen her keine schützenden Inseln mehr und jetzt verstehe ich auch warum alle Fahrzeuge angeschnallt wurden. Eigentlich ist es ein ruhiger Tag. Das Lüftchen ist zwar frisch aber bei weitem nicht stark und das Meer ganz sicher ruhig. Aber der Wellengang ist gut zu spüren! Wir schwanken schön durch die See und ich möchte nicht wissen, wie es sich anfühlt wenn hier mal etwas mehr los ist, geschweige denn es stürmischer wird. Es ist gut vorstellbar, dass hier die Fähren ab und zu nicht fahren! Es dämmert bereits als wir Quellon ansteuern. Mein Hostel ist gleich in Hafennähe! Da die Fähre WIFI hatte, habe ich mir von unterwegs die Unterkunft gebucht, da ich nicht noch groß suchen wollte, wenn es schon dunkel ist. Trotzdem drehe ich eine extra Runde, da ich im dunkeln die Fassade nicht gleich erkenne. Auch hier quartiere ich mich gleich für einen weiteren Tag ein, da ordentlich Regen für den nächsten Tag angesagt ist. Regentage sind Arbeitstage! Also sitze ich in dem Aufenthalts-Küchenraum und schreibe. Erst am Nachmittag erkunde ich etwas die Stadt, gehe Kaffee trinken und schlender vor mich hin. Es beginnt wieder zu regnen und ich schleiche mich von Vordach zu Vordach zurück! Im Hostel sind gerade drei triefend nasse Jungs eingetroffen, die sich ordnen und ihre Sachen in der Stube zum trocknen aufhängen! Und ich weiß, dass es eine gute Enscheidung war heute nicht zu fahren. Ich wechsele meine Jacke und ziehe die Regenjacke über und gehe noch einmal die Uferstarße entlang und finde ein anderes nettes Restaurant. Der Regen setzt wieder ein und ich hake den Tag ab. Zurück im Hostel sind die Jungs ganz gut dabei sich einen einzuhelfen! Ich hocke mich dazu und probiere einen Pisco ohne Sour. Ja, ganz ok aber wenn ich da jetzt einsteige, dann endet das nicht gut für mich und meinen Kopf! Aber wir unterhalten uns ganz gut auch weil sie Englisch können und ich bin erstaunt wie gut sie über Deutschland informiert sind! Sie müssen den nächsten Tag zeitig raus um die Fähre zu nehmen, daher ist ihnen der Abend erstmal egal. Sie haben dann ja genügend Zeit zum ausschlafen auf dem Schiff.
Ich hingegen will mir etwas die Insel erfahren und mir ein weiteres Unesco Weltkulturerbe anschauen. Chiolé ist voller Kirchen, die komplett aus Holz gebaut sind und 16 von ihnen sind auf die Unesco Liste gekommen. Aber zuerst mache ich noch einen Abstecher bis ans Ende der Straße W-90. Elizabeth vom Hostel hatte es mir empfolen. Erst vor Ort erfahre ich, bzw.registriere ich, daß das kleine Monument dort das alte Ende oder Anfang der Panamericana ist. Aktuell ist es eine Baustelle aber ich habe von hier nocheinmal einen schönen Blick auf Quellión. Mein nächstes Ziel ist Chonchi. Ich habe Glück, die Kirche ist offen und ich kann sie mir in Ruhe anschauen. Eigentlich fällt es gar nicht so sehr auf, daß alles aus Holz ist aber mir gefällt es sehr! Nach einem Kaffee und tatsächlich „Kuchen“ an der Uferpromenade fahre ich weiter nach Castro. Die Kirche in Nercón die direkt auf dem Weg liegt hat leider geschlossen. Vielleicht probiere ich es in den nächsten Tagen noch einmal. Auch in Castro ist geschlossen! Also entschließe ich mich etwas länger zu bleiben, mal wieder einen Tag zu schreiben und mir die Pfahlbauten anzusehen, für die Castro auch bekannt ist. Hier auf Chiolé ist gefühlt jeden Tag Regen! Alles was sich auf dem Pazific zusammenbraut landet zuerst einmal hier! Ich picke mir die trockenen Stunden zum besichtigen und fahren heraus, was gar nicht so einfach ist. Es ist Dienstag und endlich kann ich davon ausgehen, daß die meisten Sachen auch wieder geöffnet sind. Ich gehe nach dem Frühstück und bevor ich wieder auf der Straße bin die Kirche von Castro besuchen und fahre im Anschluß noch einmal in Nercón vorbei. Irgendwie mag ich die Holzkonstruktionen und dass auch innen alles aus Holz besteht. Es hat einfach was Natürliches und Verbundenes! Einige der Kirchen sind auf Inseln, die ich nicht anfahren werde. Rilan hat leider auch zu aber in San Juan schaue ich noch rein und in Tenaún und dann habe ich das Gefühl, dass ich nicht jede sehen muss. Man kann sich für alle Kirchen ein Stempelheft besorgen und sie dann abpilgern aber mir reichen die Gesehenen. Mit Sicherheit könnte man noch einige Zeit mehr auf Chiolé verbringen aber mich reizt der Teil zwischen Puerto Montt und Santiogo mehr. Ich mache einen letzten Zweitagesstopp in Ancud im Norden der Insel, natürlich um einen Tag echt fiesen Regen auszusitzen und zu arbeiten und nehme zwei Tage später die Fähre zurück aufs Festland. Ich hätte von hier aus auch nocheinmal eine Pinguin-Besichtigungstour machen können oder versuchen können den Pudu zu entdecken. Der Pudu ist so etwas wie ein Mini-Hirsch und hier auf Chiolé wohl doch einfacher zu finden, da es den Puma hier nicht gibt aber ich will in trockenere Gefilde und ich will noch einmal an die Berge.






























































































































































































































































































































