Darauf freue ich mich schon eine ganze Weile, von den Tagen zwischen Puerto Montt und Santiago zu berichten. Aber der Reihe nach, bevor ich wieder in die Berge eintauche noch etwas Meer zum aufwärmen! Ich verlasse die Insel Chiolé und benutze mal wieder eine Fähre aber es sieht ganz so aus, als ob dort eine Brücke gebaut wird, die in Zukunft die Verbindung mit dem Festland wesentlich vereinfachen wird. Ich möchte nicht noch einmal nach Puerto Montt und nehme daher die Straßen über Land etwas weiter westlich bis nach Puerto Varas. Zum Glück ist es etwas aufgeklart und mich begleitet die Sonne aber so richtig warm ist es nicht. Ich habe vor in Puerto Varas zu bleiben mache aber vorher noch einen Abstecher nach Osorno zu BMW, um einen Blick auf meine Bremsbeläge werfen zu lassen. Sie haben doch einiges mitmachen müssen und ich bin mir nicht sicher ob ich sie richtig einschätze. Der Mechaniker bestätigt mir, daß noch genug drauf ist und so kehre ich zurück nach Puerto Varas und und niste mich für ein paar Tage im Hostal Compas del Sur ein. Das Lustige, die Inhaberin ist Schwedin ihr Mann Chilene, sie haben sich in Deutschland kennengelernt und führen nun das Hostal. Also ist Deutsch kein Problem und meine zwei Schwedischen Worte kann ich auch anbringen! Das Wetter ist durchwachsen also nutze ich natürlich mal wieder die Zeit, um zu schreiben und Film zu bearbeiten und den Ort zu erkunden! Es ist zum Glück keine Saison, sonst wäre hier am Lago Llanquihue sicher wesentlich mehr los. Ich finde ein ganz nettes Restaurant unten am See und wundere mich über die eine Vorspeise, Locos! Loco heißt soviel wie verrückt oder wahsinnig! Also was soll das sein? Ich frage nach und erfahre, das es Aberlone Muscheln sind. Korrekterweise eine Meeresschnecke auch als Seeohr bekannt und angeblich eine Delikatesse. Ich bestelle sie und muss zugeben, ich als nicht unbedingt der Muschel und Seefrüchtefreund bin tatsächlich begeistert! Das relativ feste weiße Fleisch ist wirklich lecker, etwas nussig und angenehm bissfest. Das hätte ich so nicht erwartet! Das war tasächlich eine neue unvergessliche Erfahrung ein paar „Irre“ zu essen! Natürlich nutze ich auch die Zeit, um durch das Örtchen zu schlendern aber die Wolken wollen den Blick auf den Vulkan Osorno, auf der gegenüberliegenden Seite nicht frei geben! Ich muss also von der Erinnerung und den Bildern leben die ich auf dem Weg nach Süden gemacht habe.
Ich fahre ein weiteres Mal am Lago Llanquihue gen Norden und freue mich über die kleinen entzückenden Nester entlang des Weges. Nächstes Ziel Valdivia. Valdivia soll ganz nett sein und so hoffe ich auch da ein paar schöne Tage zu verbringen. Ich versuche möglichst die Autobahn zu vermeiden aber das gelingt nicht immer. Ich finde meine Untekunft auf der Isla Teja, eine Hostal mit kleiner Küche zur Selbstversorgung und zum Glück einem Heizlüfter. Die Nächte werden schon empfindlich kühl und auch Tags über reicht die Sonne nicht immer. Ich habe etwas zu laufen, um down town zu kommen aber bisschen Bewegung stört ja nicht. Das spannenste and er Stadt ist für mich die Uferpromenade mit dem Fischmarkt. Insbesondere die Seelöwen, die sich dort breit machen und sich gegenseitig anbrunsten sind eine Atraktion. Wie sie allerdings hinter den Zaun am Fischmarkt gekommen sind, um nach Fischresten- und -abfällen zu betteln ist mir ein Rätsel. Von dem verheerenden Erdbeben von 1960 und dem draufolgenden noch schlimmeren Zunami ist nichts mehr zu sehen. Aber von dem Hostal in Puerto Varas weiß ich das sein Vater, auf einem Hausdach stand und so sich retten konnte. Auch hier habe ich mal wieder einen Regentag, den ich natürlich nicht fahre und wieder im Trockenen am arbeiten bin.
Ich verlasse Valdivia richtung Küste! Ich komme dabei an der Kunstmann-Brauerei vorbei, halte aber tatsächlich nicht an. Probiert habe ich ja die Tage zuvor schon. Ich möchte eine Runde an der Küste entlang fahren und mir die Festungsruine von Niebla anschauen, bevor ich über Valdivia zurück weiter die Küste hoch fahre. Die Festung liegt natürlich strategisch hervorragend und auf der anderen Uferseite gibt es weitere Festungen, so daß die Zufahrt nach Valdivia bestens bewacht werden konnte. Entsprechnd schön ist der Ausblick auf die umliegende Gegend und den Ozean! Unterhalb schaukelt ein Fischerboot mit einer Leitung ins Wasser und man erkennt die aufsteigenden Blubberbläschen von dem Taucher, der dort vielleicht Locos erntet? Ich gönne mir in einem kleinen Café an der Straße noch einen Kaffee und einen Crêpe und als der Bestitzer vorgefahren kommt, spricht er mich doch glatt auf Deutsch an. Ich genieße die Sonnenstrahlen und mache mich bald wieder auf den Weg. Nehme noch ein paar Meeres-Blicke mit, habe Spaß an den Kurven und fahre dicht an Valdivia vorbei, um meinen Weg nach Mehuin einzuschlagen. Mehuin liegt gleich neben Missisipi. Beides zwei kleine Dörfer die eigentlich nicht so wahnsinnig viel zu bieten haben außer vielleicht Strand, Meer und einen tollen Sonnenuntergang. Ich habe eine Cabaña und einen kleinen Heizlüfter der ganz lustig vor sich hinsurrt und die Temperatur doch etwas nach oben bringt. Natürlich gehe ich zuerst an den Strand schaue einigen Fischern zu, wie sie ihren Fang in Kühlboxen und auf LKW’s verladen an und habe einen herrlichen Sonnenuntergang. Zeit für das leibliche Wohl zu sorgen! Allerdings gibt es nicht so viele Optionen und heute bin ich tatsächlich mal spät dran. Nicht unbedingt von der Uhrzeit her aber, hier passiert nicht viel und Touristen sind scheinbar auch keine da. Also stehe ich vor einem Restaurant, vor geschlosseneer Tür, das eigentlich noch hättes auf sein sollen und wo auch Licht brennt aber es tut sich nichts. Ich klingel sogar. Leute die aus dem Lädchen nebenan kommen, klingeln auch, um mir zu helfen und sagen im Laden noch einmal Bescheid. Der Verkäufer ist auch gleichzeitig der Hostal- und Restaurantbesitzer und natürlich auch der Koch. Er bittet mich herein, ich soll mir ein Getränk aus den Kühlschrank nehmen und wir überlegen, was er mir anbieten kann. Ich finde es gemütlich hier und vielleicht wäre das auch Hostal-Technisch die bessere Option gewesen. Ich bekomme eine Art Maiseintopf mit Hühnchen, was wirklich sehr lecker ist. Ich muß heute also nicht hungrig ins Bett!
Ich fahre weiter nach Norden entlang der Küste, zumindes so dicht wie es denn die Straßen zulassen und biege ab und zu ans Wasser ab. Der Pazifik und die Strände sind schön und beeindruckend, wahrscheinlich weil sie einfach Natur sind und keine Menschenseele, die ins Wasser steigen will. Die Luft hat immer einen weißen Dunstschleier und alles wirkt feucht und salzig aber das gehört ja dazu. Einige Male biege ich direkt an den Weg direkt hinterm Strand ab. Ich habe mir Puerto Saavedra als nächstes Ziel ausgesucht, finde vorher aber noch eine schöne Straße entlang einer kleinen Steilküste. Mit einem Mal habe ich zwei Fahrspuren. Die eine umfährt die Pfützen, die ich vor mir sehe aber ich denke die sehen nicht so wild aus und ich war lange nicht so richtig abwegig unterwegs. Die ersten zwei klappen noch ganz gut, doch dann macht die dritte Schwierigkeiten. Ich mache nichts anders als bei den beiden zuvor und da ich die gut durchfahren bin auch keine Gedanken um die Dritte. Aber diese meint etwas tiefer, schlammiger und rutschiger zu sein und mir glibbert das Vorderrad weg. What the f….! Ich liege unbequem auf der Seit, zumal es eine doofe Graskante und einen Zaun gibt. Naja, und die Pfütze war nicht gerade klares Meerwasser. Ganz im Gegenteil! Schön schmierig braun, als ob vorher noch eine Herde Kühe durchgelaufen wäre. Ich rappel mich auf, na schöner Scheiß? Ich muss mich ordentlich dagegen stemmen und schieben, die Stiefel stehen bis gut über die Knöchel im schlammigen Wasser und rutschen. Nachdem ich etwas besseren Halt gefunden habe und beim zweiten Ansatz bekomme ich sie wieder aufgestellt. Es ist ja nicht nur das Motorrad dreckig, die braune schokoladige Masse klebt auch ganz wunderbar halbseitig an meinem Anzug. Ich strampel mich aus der Pfütze und fahre natürlich weiter, was soll ich machen. Wer weiß wo hier die nächste Waschanlage ist !? Natürlich ärgere ich mich!! Hätte ich die andere Spur genommen…hätte hätte… Falls jemand kuckt ist meine gedankliche Ausrede, dass ich ja ein Motorradfahrer auf Abenteuertour bin und alles schon mal etwas schmutziger werden kann. Durch hügelige und kurvige Landschaft umfahre ich den Lago Budi. Sonne und Wind trocknen den Dreck und zwischendurch kann ich tatsächlich anhalten und die gröbsten Brocken abklopfen. So und getrocknet sieht das alles nichtmehr ganz so schlimm aus! Ich frage mich nur ob der Duft nur von der Landwirtschaft kommt? Ich fahre nach Puerto Saavedra ein und werde an der Promenade höflich angehalten. Mir wird Mittagessen und ein Hostal angeboten aber ich will ersteinmal schauen und meine auf dem Rückweg vorbeizukommen. Ich fahre bis ans Ende des Ortes auf einen großen Parkplatz und gehe ersteinmal an den Strand. Das sieht gut aus, hier hinten will ich bleiben und ich hatte bereits auf Google ein Hotel markiert. Auch hier ist der Geschäftsführer tüchtig und kommt mir entgegen. Der Preis stimmt und ich bekomme ein Zimmer mit Aussicht aufs Meer. Ich hätte das Motorrad gern im Hof geparkt, dafür räumen wir noch schnell ein paar Pflanzenkübel weg, da das normale Tor nicht breit genug ist. Und hier ist dann auch meine Waschanlage! Ich frage, ob ich den Gartenschlauch benutzen kann. Natürlich ist das kein Problem und ich kann meine Schlammtat rein waschen. Ich lerne Eduard kennen, der ganz gut Englisch spricht und so ist die Kommunikation doch um einiges vereinfacht. Er ist schon etwas länger hier und bleibt auch noch etwas und gibt mir noch einige gute Tipps, was ich noch besuchen und anschauen sollte. Er versteht sich auch ganz gut mit Juan Carlos, dem quirligen Chef, der mich auch herein gebeten hatte und dieser erklärt sich bereit mit uns am nächsten Tag einen kurzen Ausflug an den Lago Budi zu machen wo er Freunde der Mapuche hat. Zudem lädt er uns ein morgen seine eigene Kreation, eine Muschelsuppe namens Corona De Chorros zu probieren. Ich gehe erst noch einmal an den Strand und mache einen kleinen Spaziergang. Den nächsten Tag lasse ich gemütlich angehen und gegen Mittag ist zum einen eine Gruppe im Restaurant und wir essen zusammen mit Juan seine Suppe. Den Wein dazu spendieren wir. Wirklich lecker! Er hat sie sich auch patentieren lassen! Und damit das mit der Verdauung auch besser funktioniert gibt es einen Pfefferminzlikör hinten dran und nicht nur einen. Gut, der ist in Ordnung aber mit Likören kann ich nicht so gut. Später am Nachmittag nimmt uns Juan mit, noch einmal an den Lago Budi, wo wir an einem kleinen Stand einen Kaffee trinken und im Anschluß mit dem Boot wenigstens ein Stückchen auf den See fahren. Es ist schön und sicher wäre dies ein eigenes Abenteuer, den See mit dem Boot oder Kajak zu erkunden aber dafür reicht seine Zeit nicht so richtig. Wir machen uns schon wieder auf den Rückweg, fahren noch einmal bei einer Mapuchefamilie vorbei, wo ich die ursprüngliche Hütte mit Strohdach fotografieren kann und dann sind wir nach einer reichlichen Stunde auch schon wieder zurück. Mit Eduard trinken wir noch ein Bier und er gibt mir ein paar ganz gute Tipps für die Berge, die ich so nicht auf dem Schirm hatte. Ich glaube Wein, Pfeffi und Bier machen mir die Nacht etwas zu schaffen und mein Bauch rebelliert etwas. Ich nehme mir daher den nächsten Tag frei, bleibe also und mache einen ausgedehnten Strandspaziergang ganz ohne Frühstück, was mir ganz gut tut! Ich habe einen langen breiten und leeren Strand ganz für mich alleine!
Ich lasse in Saavedra einen Aufkleber an der Scheibe und mache mich auf den Weg nach Pucón. Eduard hatte mir den Ort empfohlen und was ich so auf Google gesehen hatte will ich es mal ausprobieren. Pucón ist definitiv ein Touristenort aber es gibt eben auch eine Menge, was man unternehmen kann. Schon mal wirklich schön anzusehen ist der Vulkan Villarrica. Wie der Osorno bildet er einen wunderbar fotogenen Kegel mit eine wunderbar runden weißen Spitze. Eigentlich so wie man sich das immer vorstellt, ich zumindest! Ich hatte ja beim Anblick des Vulkans Osorno schon darüber nachgedacht da mal rauf zu steigen, mal sehen, warum sollte es hier nicht auch gehen. Angebote gibt es einige. Ich nutze aber erst einmal einen Tag, um an die Cuevas Volcanicas ran zu fahren und mir diese anzuschauen. Eigentlich ist der Weg dorthin nichts besonderes, etwas Schotter aber dann gibt es doch den einen Abschnitt, der besonders ist. Ich hatte mich noch gewundert, warum so viele Autos an der Straße geparkt sind aber als ich um die Kurve komme sehe ich warum. Es geht einige Meter recht steil, mit schwer ausgefahrenen Löchern, die voller weichem Sand sind. Ui!! Aber das Motorrad ist leicht und ich will nicht den nächsten Kilometer bis zu den Hölen laufen. Also los. Auf halbem Weg war ich wohl zu langsam und grabe mich in einem der Löcher ein. Ich muss es gar nicht weiter versuchen, ich würde nur noch tiefer kommen. Na gut, ich weiß mitlerweile was zu tun ist. Absteigen, Motorrad umkippen, Loch füllen, wieder aufstellen und es wieder probieren. Ich habe das Motorrad gekippt und habe sofort einige Helfer um mich herum, die mir beim Anschieben helfen wollen. Ich bedanke mich und versuche zu bemerken, dass ich nun bisschen mehr Stoff geben muss und es wahrscheinlich reichlich Sand auf sie regenen würde. Ich hoffe, sie haben mich verstanden! Ich bedanke mich und drehe auf! Das Hinterrad arbeitet, ich schaufel mich frei und holpere über die letzten verbleibenden Löcher hinweg den Abschnitt hoch und bin wieder frei. Ich hoffe die Jungs haben nichts abbekommen, nicke noch einmal zu ihnen herüber und fahre den Rest bis zum Parkplatz, um mir ein Ticket für die Höhlen zu holen. Da noch etwas Zeit ist gehe ich noch einer kleinen Wanderung die ausgeschildert ist nach, bis wir Helme bekommen und es in die Langgestreckte Höhle hinein geht. Sie ist wohl durch unterschiedliche Lavaströme und über die Jahrhunderte entstanden. Es ist spannend die unterschiedlichen Gesteinsformen zu sehen und das es weitere Kanäle gibt die parallel verlaufen. Ganz am Ende dann einmal Licht ausmachen und ganz still sein. Wow, was für eine Erfahrung! Ich sehe tatsächlich die Hand vor Augen nicht, alles schwarz und absolute Stille!
Für die Besteigung des Villarrica hatte ich bereits einen Tipp bekommen und besuche nun das Büro der kleinen Firma Terra Volcano, um mir mal anzuhören was da so alles passiert und wie ich vorbereitet sein muss. Es geht zwar morgens sehr zeitig los und dann bis in den Nachmittag hinein, Ausrüstung bekomme ich komplett gestellt, auch die Schuhe, nur Snacks und Getränke sollten wir selber mitbringen. Ich buche, es ist teuer aber so eine Nummer mache ich dann doch nicht alleine und sie wissen hoffentlich was sie tun. Treffpunkt ist der Verkaufsladen und so lasse ich mich tatsächlich eines der wenigen Male von meinem Wecker wecken. Es ist verdammt früh! Ich hatte am Abend noch meinen Rucksack fertig gemacht aber als ich im Büro bin ist ein Rucksack mit Regenkleidung, Krampen, Gasmaske, Plastesitz, Schuhe und Helm vorbereitet. Für mein Zeugs ist eigentlich kein Platz, ich darf umpacken wenn ich will aber ich lasse es bleiben und stopfe nur meine Futter und Wasser in den vorbereiteten Rucksack und ziehe die stabilen Wanderstiefel an. Sie sind Vorschrift von der Bergwacht, so dass auch meine Wanderbotten keine Chance haben. Na gut, es sieht alles ein bisschen abgewetzt aus aber ich beuge mich dem Schicksal und lasse meine Ausrüstung im Büro zurück. Unser Bus ist schon da und wir fahren im stockdunkeln die fast selbe Strecke, die ich letztens zu der Vulkanhöhle gefahren bin, bis wir rechts abbiegen und um einiges weiter hoch fahren. Es gibt nicht nur unseren Bus, da sind noch ein paar andere Reiseveranstalter mit ihren Gruppen. Ein Wettrennen? Jeder schnappt sich seine Ausrüstung und zunächst geht es ersteinmal auf den Skilift, der uns weiter nach oben transportiert. Es gibt eine Zwischenstation und mit dem nächsten Lift sind wir an unserem Ausgangspunkt angelangt, von wo es ab jetzt zu Fuß geht. Bereits auf den Liften hatten wir die erste Dämmerung und die Aussicht bei dem Licht ist phenomenal! Wir sortieren unser Sachen und die jetzige Aussicht ist schon ein Genuss! Irre, den Schatten des Villarrica im Dunst zu sehen und die unter uns liegenden Berge, weitere Vulkane in der Entfernung, einfach genial! Allein dafür hat sich das frühe Aufstehen schon gelohnt! Wir bekommen Wanderstöcke und dann gehts los. Geführt von drei Guides stapfen wir gemächlich nach oben. Noch sind wir nur auf Vulkansand und Geröll unterwegs, bis wir schließlich an die Schneegrenze kommen. Was wir vorher in der Sonne und durch die Anstrengung noch abgelegt haben, fangen wir nun an nach und nach wieder anzuziehen. Es wird steiler, eisiger, windiger also gibts nun auch den Helm auf den Kopf und Krampen an die Füße und der ein oder andere zieht auch schon die erste Wetterschutzjacke oder Hose über. Wir hatten die ganze Zeit gehofft, dass der Gipfel noch aufklart, da wir bisher einen super schönen Tag erlebt hatten aber es will irgendwie nicht werden und der Wetterbericht sagt eher Regen zum Nachmittag vorher. Noch haben die Guides die Erlaubnis von den Rangern, dass wir bis hoch dürfen aber es kann auch passieren, dass sie eine Funkspruch bekommen, der uns zum Umkehren zwingt. Am letzten Stopp kurz vor dem Gipfel legen wir unsere Rucksäcke ab, schnappen uns die Gasmaske, von der ich immer noch nicht so richtig weiß warum wir sie brauchen und machen uns auf die letzten Meter zum Kraterrand. Hier am Stopp schien eben noch die Sonne aber die paar Meter weiter oben scheinen verflixt zu sein. Es zieht sich weiter zu und bläst ordentlich und dann stehen wir auf einer Art kleinem Plateau und haben den Krater vor uns. Nun, dass was man von dem Krater erahnen kann. Ein paar wenige Meter könne wir hineinschauen und Wolken spielen heftig mit dem Wind, so dass man vielleicht auch mal hundert Meter rein schauen kann, bis wieder gar nichts zu sehen ist. Schade! Wirklich schade! Ca. 300m unter uns hätten wir vielleicht etwas Lava sehen können. Oder wenigstens die Dimensionen des Schlundes erahnen können. Aber egal, wir stehen auf ca. 2840m Höhe und fühlen uns als hätten wir die Generalprobe zur Besteigung des Everest bestanden. Eine Windböhe treibt etwas Schwefeldampf aus dem Krater hoch und mit einem Mal weiß ich warum so eine Gasmaske vielleicht gar nicht so schlecht sein könnte. Einer unserer Guides meinte, dass es manchmal ohne nicht möglich ist hier hoch zu steigen, da die Luft einem dann komplett den Atem nimmt und die Augen tränen lässt. Laut Parkordnung dürfen wir nur 10 Minuten hier oben bleiben, also geht es recht flott zurück zu den Rucksäcken. Spätestens jetzt ist die volle Ausrüstung angesagt. Die Krampen dürfen zurück in den Rucksack und wir ziehen die stabile, sehr Robuste Allwetterkleidung über. Dazu gehört noch ein Schurz für hinten und dicke Fäustlinge. Die Schneerinne, die vor uns steil nach unten ins Nichts abtaucht sieht nicht gerade einladend aus aber das wird unser Abstieg! Eine Rutschpartie auf dem Allerwertesten! Ich gestehe, spätestens jetzt hätte ich mir die Klamotten, die ich anhabe gewünscht! Meine dünnen Regensachen wären wahrscheinlich nach den ersten Metern durch und aufgerissen gewesen. Tatsächlich geht die steile Rinne gar nicht so schnell. Schnee, den wir vor uns her schieben bremst doch ab und zu ganz ordenlich. Auf den etwas flacheren Passagen dürfen wir unseren Plasteuntersatz nehmen. Hin und wieder gibt es dann doch ganz ordentlich Speed und mit dem Eispickel, den wir dabei haben sollen wir bremsen… Ein schönes Abschlußspäßchen ist das schon! Trotzdem hat so mancher eine feuchte Hose! Im wahrsten Sinne des Wortes! Den Rest, den wir laufen müssen ist nich der Rede wert aber anstrengend war es schon. Wir nehmen wieder unser zwei Lifte und sind recht zeitig am Bus. Was für ein Tag! In den Krater zu schauen wäre das i-Tüpfelchen gewesen aber man kann ja nicht alles haben. Und am Perito Moreno Gletscher durfte ich bei den läppischen drei Stunden nicht mit laufen, ich muß innerlich lachen! Zurück auf der Basis erwarten uns Bier, Pisco-Sour, Chips und Kuchen, ein paar Früchte und eine nette Abschlußatmosphäre! Auch wenn wir die ganze Zeit gemeinsam gelaufen sind, erfahre ich erst jetzt richtig, dass Rachel und Declan Langzeitreisende sind. Vielleicht erwischen wir uns ja am Norden noch einmal und tauschen für alle Fälle unsere Nummern aus. Das war definitiv ein Tag auf der Habenseite!
Wenn ihr noch das Beitragsbild vor Augen habt oder noch einmal ganz bis hoch scrollt, die Drei im Hintergrund die merkt euch mal. Aber bevor ich dorthin fahre, gehts für mich noch einmal etwas südlicher nach Coñaripe zu den Termas Geometricas. Eduard hatte mir auch diese empfohlen. Aber dies sind nicht die Einzigen, die es hier in den Gegenden gibt. Aber scheinbar sind sie ganz nett angelegt und mal wieder heiß baden kann sicher nicht schaden. Coñaripe ist gar nicht so weit weg und so wird es eine relativ kurze Fahrt. Der Herbst holt mich hier immer mehr ein. Die Bäume werden gelb-orange, die ersten Blätter fallen und es riecht auch herbstlich, obwohl wir den ersten April haben. Im Prinzip muss ich nur auf die andere Seite des Villarrica. Ich finde eine kleine Cabaña, die einen ganz gemütlichen Eindruck macht, allerdings muss noch etwas eingeheizt werden. Mit der Hausherrin hatte ich über das Hüttchen gesprochen und da war mir noch so, als ob ich mit meinem Spanisch zurecht käme aber als ihr Mann den Ofen anmachen will verstehe ich plötzlich gar nichts mehr. Es gibt schon auch echte Sprachunterschiede und ob ich mich da wohl dran gewöhnen werde? Tags drauf fahre ich in die Terme. Über rote Stege laufe ich durch eine kleine Schlucht und kann mal wieder in unterschiedlich temperierte Becken springen. Das Ticket hatte ich mir online gekauft, sollte ich auch, weil es angeblich beim Eintritt nicht geht aber dieses System habe ich hier noch nicht wirklich verstanden. Warum das so kompliziert sein muß? Also habe ich ein Ticket von 17:00Uhr bis 19:00Uhr, weil es angeblich vorher keines mehr gab. Ich verbringe den Tag bis dahin ein wenig zu schreiben und bin rechtzeitig um fünf am Eingang. Gefühlt ist hier gar nichts los und wahrscheinlich wäre vorher auch noch genug Platz für mich gewesen. Wie dem auch sei, ich genieße das heiße Wasser und lasse mich mal wieder richtig durchbrühen. Ein junger Bursche macht mich etwas neidisch! Voll durchtrainiert und ohne ein Gramm Fett zu viel, post er vor seiner Kamera und nimmt sich ständig selber auf. Ich schaue an mir runter und denke, das muss wohl die Lichtbrechung durch das Wasser sein, dass es bei mir nicht ganz so aussieht. Am Ende der kleinen Schlucht gibt es einen Wasserfall, der für die ganz hart gesottenen zu sein scheint. Zumindest kommt er von oben und nicht aufgewärmt aus dem Boden. Nein nein, ich suche mir das 45° Becken und lasse das mal schön mit dem Wasserfall.
Im Moment habe ich nicht so richtig den Plan, wohin ich als nächstes will, also überlege ich, ob ich nicht erst einmal nach Temuco fahre und dort überlege wie ich weitermache. Temuco liegt ziemlich zentral, so dass beides, Meer und Berge nicht weit weg sind. Doch Temuco entpuppt sich nicht als so sonderlich atraktiv. Der große Markt ist so das Highlight, da ist richtig Trubel. Auch sonst gibt es ein paar nette Ecken aber es ist nichts, zum ewig verweilen. Ich bleibe zwar trotzdem drei Nächte, was vor allem dran liegt, daß es einen langen Regentag gibt and dem ich arbeiten kann und mein Magen wieder etwas durcheinander ist. Zwei Zehen Knoblauch klein geschnitten und über Nacht in frisch gepresstem Limettensaft ziehen lassen und das dann morgens auf nüchternen Magen schön durchgekaut reguliert das wieder. Letztendlich entscheide ich mich noch einmal für die Berge! Ich will in den Nationalpark Conguillío zum Vulkan LLaima, dem vorderen links aus dem Merkbild. Melipeuco ist der kleine Ort von dem aus ich dort hinein starten will und so mache ich mich bei herrlicher herbstlicher Stimmung auf den Weg. Die Pappelalleen leuchten in einem irren gelb, im Kontrast zum blauen Himmel einfach genial! Der LLaima kommt in Sicht und beeindruckt ähnlich wie der Villarrica mit einem perfekten Doppel-Kegel. Melipeuco ist ein kleines Touristisches Durchfahrtsdorf, in dem ich erst einmal anhalte und ein Completo esse. Ein Hotdog mit so vollgestopft, dass es kaum in den Mund passt. Es ist Montag und ich weiß, dass der Park zu hat man aber durchfahren kann. Ich will mir das mal anschauen und fahre zum Parkeingang. Den Park besuchen geht nur mit Ticket! Aber ich dürfte durchfahren, wenn ich direkt bis zum nächsten Ort durchfahre nach Curacautin. Das heißt Stunden drin aufhalten geht nicht. Ich weiß zwar nicht wie sie das kontrollieren wollen aber ich will definitiv etwas Zeit dort verbringen also drehe ich um, fahre die 15 Minuten zurück nach Melipeuco und lasse dort den Tag ausklingen.
Wie das so ist habe ich mir ein Ticket für den Park gekauft. Online, wie es scheinbar nicht anders geht und musste dann auch noch mit Paypal bezahlt werden! Ich verstehe wirklich nicht, warum das so kompliziert sein muß. Eventuell habe ich noch ein einsehen, dass der Verkauf online passiert, damit man unter Umständen nicht umsonst an den Parkeingang fährt aber für Ausländer geht nur Paypal und da musste ich erst einmal meine Passwörter finden. Wie dem auch sei, ich bin drin und bereits davor war die Vulkanlandschaft spektakulär. Unten im Ort waberte noch der Nebel und ich hatte schon Angst, dass das heute nichts wird aber ganz im Gegenteil. Hier, etwas weiter oben ist blauester Himmel und die Landschaft mit dem Llaima phänomenal! Im Rückspiegel sehe ich noch, wie der Nebel des Grauens versucht weiter hier aufzusteigen aber dafür ist die Sonne hier zu stark! Das wird definitiv ein schöner Tag, ich kann es jetzt schon sagen. Ich halte hier und da und stoppe neben einem Van mit Deutschem Kennzeichen. Wir schnacken ein Weile, als sich ein Pickup dazu gesellt und und mal wieder fragt, wo ich denn herkomme. Sie sind beide auch Motorradfahrer und empfehlen mir etwas weiter zurück den Autospuren über den Vulkansand nach oben zu folgen. Sie meinen es ist nicht problematisch aber dafür das Gefühl und die Aussicht um so genialer. Ok, ich will’s mir anschauen und fahre ein paar hundert Meter zurück. Hm, nun sie waren ja eben selber dort oben. Zwar induziert die Steinreihe, dass man da wohl nicht fahren sollte aber ich habe die wohl eben nicht bemerkt und fahre den Spuren hinterher dem Llaima entgegen. Es fährt sich tatsächlich besser als gedacht! Ich sinke nur mit dem Profil ein, dabei fühlt es sich weich aber verlässlich an. Und plötzlich fahre ich mit meinem Luna1 mitten in einer Mondlandschaft. Es macht glatt Spaß und als die Spuren kaum noch da sind fahre ich noch bis auf ein Hügelchen und halte, um zurück zu schauen. Einfach super genial! Ich bekomme jetzt schon einen Vorgeschmack auf den See, der etwas weiter unterhalb liegt. Tage wie dieser sind so wertvoll! Alles scheint zu stimmen und irgendwie perfekt zu sein.
Ich fahre zurück und direkt an den See. Ein paar ausgefahrene Wege führen zu einer Laguna, in der abgestorbene Bäume stehen und machen ein bizarres Bild in der Landschaft. Die nächste Fotopause bevor es weitergeht. Und dann auch schon der nächste Stopp. Ein weiterer aber viel kleinere See, mit super klarem Wasser und vielen toten Bäumen eingebettet in grobem Lavagestein. Ich umrunde ihn zu Fuß und habe auch hier wieder unzählige Fotomotive. Ich würde ja gerne die Drohne nehmen aber hier im Park ist sie verboten und dann sind mir hier doch zu viele Leute unterwegs. Weiter gehts die Piste Richtung Parkausgang. Die besten Highlights habe ich für heute. Ich fahre noch an den letzten großen See, der auf dem Weg liegt ran und mache das nächste Päuschen. Ich komme mit einem Paar aus Holland ins Gespräch, die nun auch schon seit ein paar Tagen die Vulkane abklappern. Sie empfehlen mir auf alle Fälle noch den Sollipulli zu besuchen, der wäre wirklich sehenswert und dafür braucht man auch keine Führung. Sollipulli ist der vorne rechts im Merkbild. Der Krater soll einen Durchmesser von vier Kilometern haben. Ich bin angefixt! Auch wenn das bedeutet, ich muss zurück nach Melipeuco, will ich mir das auf der Karte mal etwas genauer anschauen. Die beiden bleiben heute hier am See in einer Cabaña und ich überlege, ob ich nicht vielleicht auch das Zelt nehmen sollte. Ich entscheide mich aber für Curacautin, mit der Idee dann in einem Bogen um den Park wieder zurück zu fahren. Das nächste Stück kommt mir wie eine hohle Gasse mitten im Wald vor. Eine enge Piste mit Erswänden um mich herum und einem dichten Wald, der das Licht fast verschwinden lässt. Wer weiß wo ich hier hinkomme!? Zum Glück kommt mir hier mal nichts entgegen! Ich halte noch ein paar wenige Male und fahre drauf zu. Ich bin schon aus dem Park raus und es geht wieder tiefer und da holt mich der Neben doch noch ein. Nein, er hat einfach auf mich gewartet. Ganz surreal, mit oben noch blauem Himmel und vor mir der wabernde Nebel tauche ich ein und es feucht und kalt und wirklich viel sehen kann ich auch nicht mehr. Ich erreiche Curacautin in der Dämmerung, finde das scheinbar einzige Hotel, was ich für mich ganz alleine habe und gehe etwas essen. Hier muss der Nebel den ganzen Tag gehangen haben und zum Teil so dicht, das man kaum weit sehen konnte.
Laguna Quililo O Verde
Laguna Arcoíris
Aber bevor ich nach Melipeuco zurückkehre will ich noch einen Abstecher in den Nationalpark Malalcahuelo machen und den Kraterrand des kleinen Vulcan Navidad besteigen. Heute starte ich ohne Nebel und trotz es herbstlich anmutenden Wetter verspricht es auch heute wieder ein schöner Tag zu werden. Den Eingang zum Park zu finden ist einfach und hier muss ich auch keinen Eintritt bezahlen. Allerdings frage ich den Ranger, ob ich weiter hinten im Park weiterkomme? In Google Maps und auf einer einfachen Tourikarte gibt es einen schönen Bogen, der allerdings in der Karte nur für Allradfahrzeuge gekennzeichnet ist. Ich frage den Ranger und er bestätigt, dass es weiter hinten nicht weiter geht und ich einen Allrad bräuchte. Na gut, also erst einmal zum Weihnachtskrater. Auch hier ist der Weg schon spektakulär. Vor mir türmt sich der Vulkan Lonquimay auf an dessen Hängen gerade die Skilifte saniert werden und etwas weiter hinten der Tolhuaca. Ich liebe die Szenerie! Anfangs fahre ich noch am Einstieg für die kleine Wanderung vorbei aber da wo das eine Auto stand und die zwei bepackten Fahrräder lagen muss es wohl los gehen. Ich drehe um, stelle das Motorrad ab, schnappe mir meine Kameras und stiefel los. Alles Vulkansand und das in voller Montur! Zu erst etwas runter, dann rüber zum Krater und diesen hoch. Er ist kein Riese wie wie die umliegenden Schnee bedeckten Gipfel nur ein paar Meter aber trotzdem anstrengend. Es gibt rauf zu etwas mehr Lavagestein und es ist alles lose. Auch wenn meine Stiefel vielleicht nicht die optimalsten sind, bekomme ich kein Gestein und Sand in die Schuhe und die scharfkantigen Steine halten sie gut ab. Ich laufe den Kraterrand einmal komplett rum und auch wenn der Blick hinein nicht viel zu bieten hat, so ist die Aussicht rund herum super schön. Ich habe die direkten Vulkane vor mir, sehe im Hintergrund den Villarrica und noch weiter im Norden den imposant aufragenden Vulkan Callaqui, der gemütlich vor sich hinpafft! Zum Teil gibt es riesige Lava-Geröllfelder unterhalb die ein gerahmt von grüner Natur sind. Da wo sich die Lavaströme ihren Weg gebahnt haben sehe ich einfach nur eine schwarze lebensfeindliche Masse, die alles mitgenommen und verbrannt hat, was ihr im Wege war. Ich trete den Rückweg an und bin trotz des frischen Lüftchens ganz gut durchgeschwitzt. Ich drehe das Motorrad erneut und fahre die Straße weiter entlang, zumindest bis zu dem ausgeschilderten Aussichtspunk, von dem ich zurück auf den Volcano Navidad, die anderen Vulkane und die erloschenen Lavaströme schauen kann.
Jetzt zurück auf die Hauptstraße fahren? Wäre ruckzuck gemacht aber wo bleibt da das Abenteuer? Ich fahre weiter, mit dem Vorsatz, einfach mal zu schauen, wie weit ich komme! Und wenn es nicht mehr geht, kann ich ja immer noch umkehren. Die beiden Fahrradfahrer, ein Pärchen habe zirka eine Stunde Vorsprung, mal sehen wann ich sie einhole. Vor mir erstreckt sich eine knallharte Grenze zwischen erloschener Lava und und grünen Bäumen, an der sich der Weg entlangschlängelt. Als ich ein einer kleinen Lagune, mit toten Bäumen, ähnlich wie Tags zuvor vorbei komme muss ich natürlich anhalten und die Drohne herausholen. Unglaublich diese Farben und erst recht aus der Vogelperspektive!
Der Weg macht irgendwie keine Anstalten wirklich schlecht zu werden! An einigen Stellen scheint er frisch gemacht zu sein. Ich habe eine kleine Flußdurchfahrt, kaum nennenswert, und ein paar Passagen, die ich hätte nicht fahren wollen wenn sie zu nass gewesen wären. Dann komme ich an ein Tor und überlege noch, ob das jetzt das Ende ist aber alle anderen sind dort auch durch und ein LKW, der mir kurz zuvor entgegenkam, muss es auch passiert haben. Also auf durch, zu und weiter. Der Weg wird unebener. So unebener, dass ich verstehen kann, dass man hier mit einem normalen Auto nicht durchgekommen wäre aber da Motorrad macht das ganz bequem mit. Da war so manche Schotterstraße in Patagonien herausfordernder. Also bleibe ich auf der Piste und hole tatsächlich auch die Radler ein. Respekt, wie weit sie bereits gekommen sind! Zäune am Wegesrand kündigen wieder etwas mehr Zivilisation an und ich komme durch ein paar Dörfer mit verstreuten Häusern und großen Weiden für die Rinder, eingerahmt von gelben Pappeln und dem Callaqui, dem ich jetzt recht nahe bin. Also habe ich den Weg doch geschafft, denn die weitere Strecke geht an Dörfern vorbei und dürfte wieder ordentlicher werden. Ich hoffe nur, das die Ranger mich nicht zurück erwarten und eventuell anfangen zu suchen? In dem kleinen Ort, der wie der Vulkan Lonquimay heißt bleibe ich über Nacht. Auf der Hauptstraße wären das nur ein paar wenige Kilometer gewesen, mein Umweg waren ein paar Stunden mehr, haben sich aber definitiv gelohnt!
Am nächsten Morgen fahre ich nun den Bogen zurück nach Melipeuco, der mich dicht an der Grenze zu Argentinien vorbei führt. Ich will diesmal nicht im Ort bleiben, sondern so dicht wie möglich an den Sollipulli heran. Dafür habe ich mir eine Cabaña ausgesucht, die ca. einen Kilometer vom Parkeingang entfernt liegt. Trotzdem halte ich im Ort, um die Vorräte etwas aufzustocken und noch einmal eine Kleinigkeit zu essen. Das Hütchen liegt auf einem Hochplateau und der direkte Anstieg dort geht in steilen Serpentinen auf Schotterpiste nach oben. Da wo es zur Cabaña und Campingplatz geht ist ein großes Tor. Hm, ich stelle das Motorrad davor ab und gehe durch die kleinere Tür und laufe bis zur Brücke, die über einen kleinen Felseinschnitt mit Fluß führt. Ich drehe um, ich sollte dann wohl doch eher mit dem Motorrad reinfahren, anstatt ewig zu laufen. Ein Pickup kommt von oben als ich und ich mache ihm verständlich, dass ich auf den Campingplatz will. Praktisch, er ruft den Besitzer an und schickt mich dann direkt zu ihm. Ich verfahre mich zwar etwas, da sich die Wege dort teilen und hänge tatsächlich an einer Schotterauffahrt fest, gelange dann zu den falschen Leuten und letztendlich doch zu meiner Hütte. Mit etwas Verhandlung und gegen Barzahlung, wäre ohnehin nicht anders gegangen , bekomme ich ein komplettes Häuschen für mich alleine, darf ordentlich einheizen auch damit ich warmes Wasser zum Duschen habe und mache es mir gemütlich. So könnte ich mir das Leben vorstellen! Hier herrscht völlige Ruhe! Ich mache mir mein Campingessen und nachdem es dunkel ist hocke ich mich mit einer Flasche Wein nach draußen und starre in den Sternenhimmel! Herrlich!
Ich mache mir mein Frühstück und laufe los. Das Stück bis zum Parkeingang ist fix gelaufen. Ich muss zwar keinen Eintritt zahlen aber mich registrieren, damit der Ranger bescheid weiß, wer da so im Park unterwegs ist. Das erste Stück geht durch dichten Wald der bald voller Flechten hängt und umso mystischer wirkt. So sahen ganze Waldflächen kurz vor Ushuaia aus. Es knackt verdächtig im Unterholz und ein paar große braune Ungetüme machen mir Platz und futtern dann gemächlich weiter. Bald lichtet sich der Wald und auf Lavasand geht es stetig aufwärts. Vereinzelt stehen noch Pinien, die sich auch bald lichten und die Sicht zurück frei geben. Erst jetzt bekomme ich die richtige Vorstellung von dem Hochplateau! Zudem kann ich auch im Hintergrund wieder die anderen Vulkane ausmachen. Ich genieße es total. Trotzdem ist es noch ein Stück nach oben und der letzte Teil hat es noch einmal in sich. Es ist steiler und der Lavasand weicher aber ich habe das Ziel vor Augen. Ich bin natürlich nicht alleine aber es ist kein Vergleich zu anderen Attraktionen, wo die Leute zu Tausenden hochgestiefelt sind. Eine kleine Gruppe junger Leute und ein Deutsches Ehepaar sitzen oben und genießen die Aussicht. Ich staune selber über den gigantischen Krater und mir entfleucht mal wieder ein WOW! Ich komme mit dem Ehepaar ins Gespräch und wir stellen fest, das Reisen durchaus Arbeit ist und anstrengend sein kann. Eine Weile später sitze ich alleine da oben und versuche immer noch die Dimension des Kraters zu erfassen. Er hat einen Durchmesser von ca. 4km, das heißt so lang wie die Startbahn in Frankfurt. Ich stelle mir vor wie die B777 anschwebt und auf dem Eisplateau landet. Dadurch, dass der Krater ziemlich rund ist, ist jede Anflugrichtung möglich. Lustige Vorstellung, allerdings weiß ich nicht, welche Fracht wir hier befördern könnten. Ich zweifle trotzdem immer noch, das es einmal quer rüber 4km sein sollen!? Doch als ich die Drohne los schicke und sie gerade mal 600m weit draußen ist und noch nichtmal annähernd am Bereich vom dunklen zum weißen Teil der Fläche erreicht hat, ist mir klar, das sind ganz sicher 4km. Halten würde das Eis! Es soll bis 600m tief gehen! Wahnsinn! Durch die Drohne weiß ich nun auch, wo ich hinschauen muss, um den Zipfel des Villarrica hinter dem Kraterrand gerade so drüber ragen zu sehen. Ich habe sicher ein Stunde da oben verbracht aber zurück muss ich ja auch noch und der Park macht auch irgendwann zu. Schade, ich könnte hier echt noch rumhocken! Die Abendstimmung von hier oben wäre sicher genial! Ein herrlicher Tag geht zu Ende und ich bin dem holländischen Paar vom See dankbar für diese Empfehlung! Das war ein wirklich grandioser Abschluss der Vulkan-Tage! Unten im Wald als der Pfad wieder enger wird wundere ich noch über die Spuren vor mir, die müssen frisch sein! Und es geht zum teil steil! Bald habe ich die Kühe eingeholt und sie machen mir bereitwillig Platz. Doch als ich vorweg laufe kommen sie glatt hinterher. Im ersten Moment fühle ich mich etwas unwohl aber halte ich an und drehe mich um halten auch sie an und schauen doof. Mir wird klar, sie kennen die Schließzeiten des Parks! Und prompt fragt mich der Ranger ob ich die Rindviecher gesehen habe und ist beruhigt, dass sie auf dem Weg nach unten sind. Erst jetzt erkundigt er sich nach der anderen Gruppe. Auch die hatte ich gesehen und überholt. Er schickt mich noch um die Ecke, den Wasserfall zu bestaunen, was ich auch mache und sehe beim zurück kommen, wie er die Rinder über die Straße in den Wald führt.
Ich habe noch eine halbe Flasche Wein und hocke ans Motorrad gelehnt, glücklich und den Tag mit Sternenhimmel ausklingend vor dem Hüttchen.
Kaleidoskop



































































































































































































































































































































































































































































































































































