Hatte ich gesagt, dass sich meine Abreise um einen weiteren Tag verschiebt? Ich muss lachen, sie verschiebt sich gewissermaßen um mehr als eine Woche. Ich verstehe mich mit Franz und seiner Familie ganz gut und er fragt mich, ob ich mit seinem Enkel nicht nach Camargo fahren möchte, da seine Mutter dort in den nächsten Tagen zu tun hat und sie so die Gelegenheit bekommen sich zu sehen. Er hat Gäste und kann nicht und außerdem ist Camargo Wein- und Singani-Gegend mit Weinen der besten Qualität Boliviens! Nun gut, es kann ja nur ein Abenteuer werden! Zwei Tage später sitze ich mit Nico in einem Kleinwagen, der meist erst losfährt, wenn er voll ist oder er nimmt unterwegs jeden mit, für den die Richtung stimmt. Die Strecke kenne ich zum Teil, zumindest bis La Puente, da ich aus der Richtung kam. Wie das nun so ist, bergauf sind wir nicht unbedingt die schnellsten und bergab versucht der Fahrer alles wieder aufzuholen. Wird schon gut gehen! Wir erreichen die Hacienda in der wir untergebracht sind und ich bekomme ein einfach eingerichtetes großes Zimmer. Die Dusche ist klasse! Der Hebel, um den Erhitzer für das Warmwasser einzuschalten erinnert mich ein bisschen an Filme mit elektrischem Stuhl… Aber es funktioniert und das Wasser ist fast schon zu heiß. Noch am selben Tag geht es mit der ersten Weinverkostung los. Zwei Rotweine ein Merlot und ein Tannat, die beide wirklich richtig gut sind! Gleich um die Ecke gehts weiter mit Singani, einem Schnaps der auch wieder verschiede Abstufungen hat. Die Guten sind sehr lecker! Ich frage, ob er auch, so wie beim Whisky einen in Fassstärke hat? Nur wenig aber hat er! Und ich bekomme einen zum probieren mit ich glaube ca. 53%. Gut, wir haben also am Nachmittag bereits angefangen und eine gewisse Schlappheit überkommt mich aber lecker wars trotzdem. Zum Abend hin klettern wir auf den Hausberg von Camargo und genießen eine wunderbare Aussicht, bevor es wieder in den Ort geht und es was zu essen gibt.
Der nächste Tag verläuft ähnlich. Wir fangen bei Zeiten mit Singani an, in einer der größten und bekanntesten Singani Hacienden. Zu erst gibt es aber eine Führung durchs Anwesen und es mutet schon sehr kolonial an. Sie ist auch seit mehreren Generationen im Familienbesitz und an so etwas könnte ich gefallen finden. In den Produktionsräumen bekommen wir eine Singanidusche. Naja, einen guten Schwaps davon! Es ist mehr als Fassstärke, das pure Zeugs, desinfiziert sicher gut und riecht noch nicht einmal schlecht. Es ist schnell verdunstet und wir gehen in den Keller, dürfen dort auf den leeren alten Fässern rumturnen und es gibt natürlich eine Kostprobe. Eigentlich hatte ich mich auf zwei Nächte eingestellt und entsprechend wenig eingepackt und so wie es nun aussieht bleiben wir noch einen, zwei Tage? Macht nichts ich werds schon durchhalten, also mit meinen Klamotten! Das Tal ist wunderbar grün und überall wird Wein angebaut, der hier hervorragende Bedingungen vorfindet. Da Camargo auf ca. 2400m liegt, ist die Sonneneinstrahlung entsprechend stark! Es gibt Wasser, ist am Tag warm und in der Nacht angenehm kühl. Die Weine sind wirklich alle sehr gut. Sogar die Weißweine, die ich probiert habe, fand ich sehr gut und das obwohl ich mit Weißen normalerweise nicht so kann. In einem kleinen privaten Museum gibt es eine Führung, selbst gekochtes zum Mittag und wie gesagt einen hervorragenden Weißwein. Zwischendurch im Ort erfahre ich dann auch, dass die Tuktuks hier Torito heißen und Noel unser Reiseführer bequatscht den Fahrer, dass es ein Lebenstraum von mir wäre auch einmal damit zu fahren. Also darf ich für ein paar Meter ans Steuer! Ich glaube, dem Besitzer ist nicht wirklich wohl dabei, was ich verstehen kann! Mir ginge es mit meinem Gefährt genauso! Am Abend dann in unserer Hacienda Weinverkostung und so erfahre ich wieder etwas mehr, wie ich Weine zu handhaben habe. Gut ausgeschlafen wandern wir nächsten Tag einfach etwas durchs Tal und erkunden eine alte, verfallene und verlassene Hacienda! Ja, wenn ich nicht die ganze Arbeit sehen würde, die das kosten würde, um die alten Mauern abzureißen und wieder neu aufzubauen, dann wäre das durchaus überlegenswert! Immerhin gibt es 6ha Land dazu, um seinen eingene Wein anzubauen! Zurück beim gemütlichen zusammensitzen werde ich so nebenbei gefragt, ob ich auch kochen kann? Naja, ich antworte mit ja und damit scheine ich mich im selben Moment qualifiziert zu haben, heute Abend das Dinner auszurichten. Denn die nächste Frage lautet, was kochst du heute Abend? Mir bleibt also nicht viel übrig und ich entschließe mich Fleischbällchen zu machen. Hier heißen sie Albóndigas. Wir fahren in den Ort und kaufen Gemüse und Fleisch und so stehe ich am Abend am Herd und koche für uns fünf. Ok, das war keine Meisterleistung aber man konnte es essen.
An unserem nun doch letzten Tag darf ich entscheiden, was ich am Vormittag noch machen möchte. Und ich möchte in die Berge, ein wenig wandern. Noel kenn eine kleine drei stündige Wanderung und von Anfang an, weiß ich , dass war die richtige Entscheidung! Der Weg ist zwar vorgegeben aber wild ist es trotzdem, mit ein bisschen Kletterei, kleinen Höhlen, herrlichen Aussichten und sogar Felsmalereien. Ich könnte glatt noch weiter laufen aber die Zeit war viel zu schnell um und wir werden heute nicht mehr viel unternehmen. Am Nachmittag geht das Sammeltaxi zurück nach Tarija. Das was am Vormittag noch herrlich in Sonnenschein getaucht war liegt nun in grauem Regen, drum herum gewittert es und auf der Straße sind bereits einzelne ausgespühlte Steine zu finden. Bei leichtem Regen und nassen Straßen kommen wir in Tarija an und drei schöne Tage gehen damit zu Ende.
So langsam wird es aber nun Zeit für mich mein Huhn wieder zu satteln. Ich bearbeite noch meinen letzten Film, gehe auch mit den Jungs nochmal Fußball spielen, wobei mir der Wettlauf kurz davor sehr deutlich zeigt, daß ich mich hätte aufwärmen müssen. Es macht trotzdem Spaß. Mein Abreisetag ist nun da und eigentlich wollen sie mich nicht gehen lassen. Doch ich habe meine Abreise schon so oft aufgeschoben und nun ist es soweit. Trotzdem giebt es noch einmal Mate mit Wurst und Käse und so sitzen wir noch einige Zeit und plaudern. Das Motorrad ist gepackt und vor dem Haus werden noch einmal Fotos gemacht. Es gibt noch einmal eine herzliche Umarmung und irgendwie drückt da dann doch ein Tränchen. Trotzdem ist es auch schön, wieder aufm Bock zu sitzen und über die Straße zu rollen. Der Tank ist weitestgehend voll und so macht es nichts, daß ich die eine Tankstelle verpasse. Bezüglich meine Strecke hatte ich mich beraten lassen und so führt sie mich ein ganzes Ende wieder in die Richtung aus der ich kam und die ich nun auch durch die Fahrt nach Camargo kenne. Ich komme wieder durch den Tunnel und kurz danach kommt mein Abzweig bei San Antonio. Es soll alles asphaltiert sein und so lässt es sich gemühtlich durch das weite Hochtal cruisen. Die Hauptstrasse führt mich an zwei Lagunen vorbei und so nehme ich doch noch einen Abstecher, um sie mir genauer zu betrachten. Ich sehe Flamingos aber so richtig nahe komme ich nicht ran. Ich mache eine Pause und esse Christinas Sandwitch, welches sie mir kurz vor der Abfahrt noch geschmiert hat. In den Bergen zieht es sich ein bisschen zusammen und ab und zu kommt auch mal ein Tropfen mit vorbei, auch die Temperatur mit dem Wind ist nicht so optimal und so mache ich mich Regendicht und fahre weiter. Bevor ich wieder auf die Hauptstraße auffahre komme ich an einem kleinen Dorfweiher vorbei und dort teilen sich das Rindvieh und Flamingos das Gourmetangebot des Teiches. So einfach kann es sein Flamingos vor die Linse zu bekommen. Ok, der vorne an scheint ein Junger zu sein. Kurzzeitig ist die Straße etwas naß und es pieselt etwas aber das erledigt sich auf der anderen Seite des Berges recht schnell und es wir wieder sonnig. Dafür ändert sich der Straßenbelag und ich fahre Schotterpiste. Na gut denke ich passt schon. Aber ich hatte nicht damit gerechnet, daß diese nun bis Villazon knackig durch die Berge geht. Aber so ist wohl Abenteuer! Ich habe durchaus Respekt vor der Strecke! Die Aussichten sind genial aber eben auch direkt links und rechts neben mir, denn auf der einen Seite gehen die Felsen steil nach oben auf der anderen entsprechend nach unten und vor mir ist der Himmel dunkel. Naß wäre das wahrscheinlich eine Katastrophe gewesen, zumindest hätte das dann keinen Spaß mehr gemacht aber mit den Kurven und der weiteren Strecke lasse ich das schlechte Wetter links liegen und bin ehrlich gesagt ganz froh darüber. Schon in der Nähe von Villazon kommen mir da tatsächlich auch LKW entgegen, sollte mich eigentlich nicht überaschen aber Respekt habe ich schon! Vor allem vor den Fahrern! Ich frage mich echt, wo ich doch schon mit Bedacht fahre, wie die das hinkriegen! Zumindest sieht es aus der Distanz betrachtet echt irre aus. Ich komme wieder auf Asphalt, was dann die Straße von Tupiza nach Villazon bedeutet und rolle entspannt nach Villazon ein. Nun war ich der Meinung, da es in Tarija nun mal keine Spritprobleme gab, dass ich hier noch mal gemütlich meinen Tank auffülle also fuhr ich gleich die erste Tankstelle an aber die hatte angeblich kein Benzin. Bei der Zweiten das selbe, mit der Aussage Argentinien hat welches. Nun das brachte mich in keine Probleme. Meine nächste Aktion war nun auf Booking zu schauen, was es für Unterkunftsmöglichkeiten in Villazon gab. Nebenbei zu sehen, dass doch Autos an die Zapfsäule fuhren und auch Sprit bekamen, ließ mich fast laut lachen. Eigentlich hatte ich es erwartet. Sie wollen den Sprit scheinbar für ihre eigenen Leute aufsparen. Eine kleine Unterkunft mit großzügiger Garage war schnell gefunden. Frisch machen, einmal um den Hauptplatz laufen und was essen gehen und der Tag war gelaufen.
Am nächsten Tag fahre ich über die Grenze. Auf Bolivianischer Seite dauert es etwas, Argentinien ist unkomplizierter. Auch hier in La Quiaca möchte ich einen Tag bleiben. Ich erwarte eigentlich nicht viel von dem Ort, ich will eigentlich nur Geld holen. In Bolivien musste so gut wie alles in bar bezahlt werden. Zumindest war Karte schwierig und die QR-Code-Bezahlerei hatte ich bis dahin och nicht durchschaut. Das Hostal was ich mir gesucht hatte lag ruhig und die Garage hatte ein so enges Tor, dass meine Dicke beinahe nicht durchgepasst hätte. Yasmani, der eine eigene Tourismusagentur hat und gerade zugegen war, schien Zeit zu haben und führte mich durch die Stadt und zeigte mir die zwei Banken die es gab. Ich versuchte mein Glück, bekam auch 60.000,- plus Gebühr aber das reichte gerade mal für das Hostal und um etwas essen zu gehen. Die zweite Bank, meinte immer ich hätte den falschen Betrag eingegeben aber egal was ich dort tat es gab kein Geld. 60.000,- sind ca. 40,- EUR, nur wenn ich hier aufs Land fahre möchte ich zumindest ein wenig Sicherheit, also Bares haben. Da ich nicht nur eine Karte mit habe, konnte ich auch noch einmal Geld holen aber die Gebühren dazu sind eigentlich unverschämt! In der WhatsApp-Motorradgruppe hatte ich gelesen, dass man sich mit Western Union selber Geld schicken kann. Das würde die nächste Option am nächsten Tag werden, nur das alle Western Union Läden keinen Vertrag mehr zu 01. Dezember hatten. Oh menno!! Ein Vorschlag von meinem „Reiseführer“ war, illegal über die Grenze zurück nach Bolivien zu gehen, dort Geld holen und an einer Wechselstube tauschen. Ui, das war mir aber etwas, wie soll ich sagen, schräg!! Ich wollte nicht in Probleme kommen! Er meinte aber, dass es keine gäbe, also lies ich mich drauf ein. Tatsächlich funktioniert der „kleine“ Grenzverkehr ganz reibungslos! Sogar Die Grenzpolizei ist vor Ort, schaut aber meist in eine andere Richtung, bzw. bewegt sich nur, wenn der Wagen zu voll erscheint. Für uns gab es jeweils für zwei Bolivianos ein Wägelchen, mit dem wir trockenen Fußes über das Rinsal kamen. Yasmani hatte einen Roller da stehen, mit dem er uns in die Stadt fuhr, wo ich am Abend zuvor schon gewesen bin. Die Fahrt allein, war schon eine Nummer. Ich da hinten drauf, oh je, natürlich kein Helm, Beine baumeln lassen oder hoch nehmen, schafft der Roller das überhaupt…, doch es ist alles gut gegangen. Geld holen war kein Problem, tauschen dann schon ansich auch nicht, nur der Kurs war eine Katastrophe! Ich würde es nie wieder tun! Der illegale Grenzübertritt war eine Erfahrung, wenn auch am Ende ganz harmlos aber nicht zum Geld holen unt tauschen, daß ist pure Abzocke!! Aber erststmal hatte ich genug, um die nächsten ein zwei Tage überleben zu können und dann weiter zu schauen. Argentinien ich komme!
Hier wie immer an selber Stelle, der Film zum Beitrag!







































































































































































































2 comments
Und wieder viele eindrucksvolle Bilder, aber auch einige lustige Aufnahmen. Raik als Klöckner gefiel mir sehr gut.
Hast du das Steinchen mitgenommen, das du da angehoben hast? 😉
Großartige Bilder, nette Leute, gutes Essen – genieße die Zeit! Wir freuen uns auf mehr!