Ich habe San Pedro hinter mir gelassen. Da ich nun nicht die Laguna Route nehe fahre ich nach einem Tankstopp in Calama weiter zur Grenze nach Ollaguë. Auch wenn es nicht die Abenteuerstraße ist, so gibt es trotzdem viel zu staunen. Seicht und langsam werde ich immer höher geführt von ca 2600m in San Pedro auf erstmal ca. 3700m in Ollaguë. Aber wie das so ist, zum einen habe ich ja schon die ersten 100km bis Calama hinter mir, so dass es schon Nachmittag ist und zum anderen halte ich natürlich wieder andauernd an. Bis ich ich zum Salar Ascotan komme. Auch hier, wie schon auf der ganzen Strecke sensationelle Natur. Ich beobachte die hiesiegen Rehe, wie sie über den Salzsee an mir vorbeilaufen und wundere mich gerade wieder, wie sie es schaffen hier oben zu überleben! Ein Stückchen weiter Flamungos äh, Flamingos! Ich denke an Jessi und versuche sie sogar mit dem Tele zu kriegen! Und natürlich bietet sich mir ein neuer Hauseingang an. Ich habe keine Lust mehr bis zur Grenze zu hetzen. Ich habe wieder drei Wände, die mich vor Wind schützen und diesmal darf ich sogar das Motorrad mit rein nehemen. Schräg aber ich habe Netz! Und so kann ich von der sich minütlich ändernden Abendstimmung ein paar Bilder in den Status stellen. So stolpere ich hin und her zwischen Zelt bauen, kochen und Fotos und Videos machen…und… ich hatte eine unglaubliche Nacht…
Am nächsten Morgen die übliche Routine! Nach dem ich mich auf den Weg gemacht habe komme ich in Ollaguë an. Wieder so ein verlassen anmutender Ort, wo sich um 12:00 Uhr mittags die vertrockneten Wüstenbüsche vom Wind über die Straßen treiben lassen. Ich frage nach einem Restaurant und finde letztendlich eine kleine Bude und bekomme dort ein ganz leckere Suppe mit Reis, Kartoffel und einem Stückchen Huhn. Ich bin gerade fertig als scheinbar einige Grenzgänger aus Bolivien eintreffen und die drei Tische fast keinen Platz mehr bieten. Ich mache meinen Platz frei und bewege mich an die Grenze. Erst aus Chile raus, dann ein zwei km weiter in Bolivien wieder rein. Ich bin nicht der einzige Ausländer und Motorradfahrer, der auf eine andere Seite will. Bolivien möchte das Einreiseformular online und bieten dafür sogar Wlan an. Doch das Sch…ding will sich nicht speichern lassen! Nach dem gefühlt 10. Versuch und nachdem ich wirklich alle Leerzeichen, versehentliche und beim Kennzeichen gewollte, entfernt habe und trotzdem die Fehlermeldung kommt, speichert es das Formular dann doch. Nach geschätzen ein einhalb Stunden bin ich in Bolivien und nehme Kurs auf Uyuni. Auch hier nehme ich die Hauptstraße! Hier und da gibt es noch etwas Befestigung, ansonsten viele Löcher, Sand und vor allem Staub! Staub der von den LKW aufgewirbelt wird die volle Kanne mir entgegengepest kommen. Ich gehe davon aus, dass die meisten leer zurückkommen und eher von Chile aus Bolivien mit Sprit und ähnlichem versorgen. Ein Loch sehe ich zu spät, bzw. kann ihm nicht mehr ausweichen. Eigentlich sieht es nicht so schlimm aus aber die Touratech-Suspension kommt zumindest vorn an ihre Grenzen und schlägt einmal durch und ich mache einen Hüpfer! Trotz der vielen LKW, die mir doch ganz gut Aufmerksamkeit abfordern, bin ich begeistert von der Landschaft! Es wird gefühlt grüner, die Felsen ändern sich und die Vulkane, von denen der ein oder andere sich eine Pafft, sind beeindruckend! Laut Navi soll ich um ca. 18:00 Uhr ankommen, doch es ist 18:00, was zum Teufel macht das Navi nun schon wieder und ich habe noch 80km zu fahren, also über eine Stunde!! So hatte ich nicht gewettet! Da hätte ich mir vielleicht doch noch einen netten Zeltplatz gegönnt! Ich hatte ein zwei schöne stellen gesehen. Irgend was stimmt da wieder nicht! Ich reite kurz nach 19:00 Uhr in Uyuni ein. Eine karrierte, langweilig, rechteckig aufgeteilte Stadt erwartet mich. Die wichtigsten Hauptstraßen sind mal nicht aus Sand… Ich halte, mein Netz funktioniert und ich schaue was es an Unterkünften gibt. Das erste Hostal ist ausgebucht. Ich fahre zum nächsten und bekomme ein großes Zimmer mit eigenem Bad, Parkplatz um die Ecke für 15BOB’s. Ich finde Zeit, um mal zu schauen, warum das Navi schon wieder gesponnen hat. Hat es aber nicht! Diesmal war es korrekt und ich muss feststellen, dass Bolivien eine Stunde mehr Zeitunterschied hat. Uyuni selber finde ich nicht so sehr aufregend. Es gibt ein kleines Stadtzentrum, wo man alles findet, eine große Hauptstraße und etwas weiter weg wird es einfach staubig. Ich wechsele EUR in BOB in einer Wechselstube und bekomme etwas mehr als den offiziellen Kurs. Ich hatte vorher mal nach Blue Dollar Bolivien geschaut, da wäre es 1:12 statt der offiziellen ca. 1:8 gewesen. Ich bekomme an der besten Stube 1:10 aber nur wenn ich große Scheine ab 50 EUR aufwärts benutze, sonst 1:9. Ich gönne mir den nächsten Tag, um etwas durch die nähere Umgebung zu laufen, mir die Märkte anzusehen und letztendlich den letzten Eintrag zu schreiben.
Der nächste Tag ist spannender! Ich will unbedingt zum Cementario de los Trenes, zum Eisenbahfriedhof. Gut, dass ich vorher auf Google Maps geschaut habe wo er ist, mein Garmin hat keine Ahnung davon, wie schon so einige Male davor! Also fahre ich, nach Gedächtnis, was ganz gut funktioniet, ist ja alles quadratisch angelegt und ich habe ja Navigation für Dispatch gelernt! 😅 Auch hier dachte ich, vielleicht etwas blauäugig, daß ich den Platz weitestgehend für mich habe aber weit gefehlt! Alles was es an Touris in Uyuni gibt ist vor Ort! Haben die sich alle abgestimmt!? Egal, es ist bezaubernd! ich ignoriere alle anderen und genieße die alten im Sand versunkenen Loks und Wagons. Auch hier ruft wieder der wilde Westen! Ich genieße es und nach einer Weile sind all die anderen verschwunden und ich bin tatsächlich fast alleine! Zeit für die Drohne! Ich will noch tanken und fahre eine der Tankstellen an. Es ist Sonntag aber die erste hat zu. Trotzdem stehen schon einige Autos, zwar verlassen aber wartend davor. Ich fahre die nächste gleich um die Ecke an und ignoriere die lange Schlange. Ich frage ganz undschuldig, ob es Benzin gibt und bin daraufhin der Nächste. Umgerechnet kostet der subventionierte Sprit für die eigenen Leute ca. 30 Eurocent, für uns Ausländer ca. 90 Eurocent. Da tanke ich gerne und finde es schade, daß mein Tank nur 30L fasst. Für den Abend habe ich einen Tipp von James bekommen, der vor ein paar Jahren schon einmal mit seiner Frau hier war. Die Pizzaria, geführt von Chris aus Bosten ist eine Oase! Die Pizza mit Lama-Fleisch ist hervorragend und es gibt gezapftes Bier! Pizza-Oase-Uyuni
Ich packe wie gewöhnlich und fahre zum Salar de Uyuni. Der Einstieg befindet sich etwas nördlich im Örtchen Colchani. Dort fürt eine Piste auf den Salzsee, wo sich nach etwas Wirrwar die Pisten in verschieden Richtungen verteilen. Natürlich weiß mein Navi nicht wo ich hin will. Zumindest kennt es die Isla Incahuasi nicht! Erst als ich mit etwas hin und her zoomen die Isla im Display finde und diese als Koordinate angebe, habe ich das Gefühl, das mein Garmin dem dunklen Streifen, auf dem ich fahre folgt. Unglaublich! Es ist einfach unglaublich, einfach nur ganz viel Weiß um mich herum. Ok, es ist Anfang November und zu Hause sind die Blätter runter aber hier ballert die Sonne und es ist kein Schnee! Meine ersten beiden Stationen sind das Monumento al Dakar, das für die Dakar Rally steht, die zwischen 2014 und 2018 durch Bolivien führte. Da muss natürlich jeder Motorradfgahrer in Südamerika einmal gesewen sein! 😉 Und zum Plazas de las Banderas, der nur wenige Meter vom Dakar-Monument steht. Da das Dakar-Monument aus Salz besteht, war auch gerade ein Einer dabei, das Weiß um die Buchstaben neu zu beschichten. Einfach das Salz vom „See“ mit etwas Wasser mischen und als frischer neuer Putz drauf geklatscht! Ich blieb nicht dort in dem Salzhotel, sondern folgte nun dem lila Strich in meinem Navi, der nun einigermaßen zu dem „Schwarzen“ auf dem Salzsee passte zur Isla Incahuasi. Von nun an ca 80km einfach nur durchs Weiß! Irre absolut irre! Durch die Berge weit rings herum sieht man irgendwie einen Horizont, der aber nur bedingt näher kommt. Du fährst und hast das Gefühl leicht Berg auf zu fahren und dort hinten am Horizont geht es wieder runter. Und du denkst, ok bis dahin fahre ich und mache eine kleine Pause….aber nein, es ist immer so! Ich bleibe eigentlich immer auf 3665m Höhe und es ändert sich nichts, gar nichts. Ab und zu werde ich von Touri 4x4s überholt oder sie kommen mir entgegen! Und auch das ist ein kleines Schauspiel. Erst ein kleiner schwarzer Punkt am Horizont und dann schwupps an mir vorbei und wieder nur ein kleiner scharzer Punkt! Ich bin hin und weg! Am Anfang fahre ich noch vorsichtig. Es sieht aus wie eine fest gefahrene Schneedecke, die sich eisig spiegelt aber es ist wirklich griffig und bald gurke ich mit gemütlichen 80-90 über den Salar und genieße es einfach nur! Nach einer guten Stunde taucht die Isla Incahuasi auf. Ich fahre den ersten Zipfel an und staune über die riesigen Kakteen. Mal vorsichtig so einen Stachel zu berühren wird gleich mit einem Piekser quitiert! Gleich um die Ecke ist das Touristenzentrum. Ich hocke mich mit an den Kiosk, wo ich mit zwei Österreicherinnen und einem Itaiener ins Gespräch komme. Giovanni ist mit dem Fahrrad unterwegs, so wie einige andere, was ich wirklich bemerkenswert finde!! Alle Achtung! So wie ich will auch er die Nacht hier verbringen. Er weist mich darauf hin, dass er gegen 18:30 Uhr Abendbrot bestellt hat und meint ich solle doch auch mal fragen. Tue ich. Unser Abendbrot besteht aus Reis, mit einem Spiegelei und etwas klein geschnittenen Gurken und Tomaten. Giovanni hatte es schon einige Male probiert aber als die meisten Touristenautos weg sind und er einen neuen Versuch startet, bekommen wir eine kleine Kammer zum übernachten. Auf zwei Steinbänken mit Decken breiten wir unsere Schlafsäcke aus. Angeblich hatte er im Nebenzimmer „Mickey Mouse“ gesehen… Wir genießen bei einem Bier die Abendstimmung, die den Salar mit etwas Wolken in diversen pastell Farben für uns bereit hält. Eigentlich hatte ich ja das Zelt nehmen wollen, aber so wie der Wind bläst, war das vielleicht ganz gut so. Die Nacht ist soweit eigentlich in Ordnung. Ich hatte es mir schlimmer vorgestellt, von wegen diverser Geräusche. Gut ich habe meine Ohrstöpsel, damit beuge ich den meisten Lärmbelästigungen ganz gut vor. Am nächsten Morgen gibt es Frühstück um 08:30 Uhr. Ich muss Giovanni noch kurz aufklären, dass wir noch eine Stunde Zeit haben, da er von der Stunde mehr Zeitunterschied noch nicht wusste. Das Frühstück besteht aus ein paar Keksen, drei Scheiben Toast und für jeden ein Spiegelei! Giovanni hat Coca-Mate-Blätter zum Tee machen. Das soll gegen die Höhe helfen, so wie ich die Coca-Bonbon benutze. Nein, die machen nix! Ich habs ja nun ausprobiert, beides! Aber so ein bisschen gegen die Höhe helfen sie schon, nur wirklich merken tut man nichts. Mir geht es damit etwas normaler. „Oben“ muss ich schon etwas schnaufen, die Nase lässt gern auch etwas Blut raus und im Bauch ist es etwas nervöser. Das bessert sich dann. Aurelia 68 die uns das Frühstück serviert hat ist etwas verstimmt. Sie spricht immer davon, dass sie kein Brot und keine Butter hat. Wahrscheinlich kostet das Frühstück deswegen nicht sehr viel. Eigentlich nur einen Obulus. Ich spendiere Giovanni noch eine Banane bevor er sich aufs Fahrrad schwingt, dann radelt er davon. Ich nehme die andere Richtung zur Isla del Pescado. Ich genieße die Fahrt und biege auf Höhe der Isla zum rechten Ufer ab. James hatte mir ein kleines Museum empfolen mit ein paar Mumien vom alten Volk der Chullpas. Sie lebten dort noch vor den Incas also vor mehr al 1000 Jahjren. Das Museun ist klein, etwas eingestaubt aber ganz nett. Ich bekomme ein wenig zu den Ausstellungstücken erzählt und in einem kleine Kunst-Garten darf ich noch in eine nachgestellte Höle mit zwei echten Skeletten schauen. Was die sich bei meinem Anblick denken? Das Hotel gegenüber mutet sehr luxuriös an aber leider auch der Preis. Für nur einen Kurzaufenthalt hätte ich mir ein Zimmer mit Salzfußboden und Blick auf den Salar gegönnt. Der Tag ist noch nicht alt und so beschließe ich mich doch Richtung Grenze zu bewegen. Noch einmal über den Salar. Mittendrin, wo wieder nur die entfernten Berge den riesigen weißen Fleck auf der Karte umringhen mache ich einen Meditationsstop. Naja, ich hocke mich einfach nur daher, snacke ein wenig und genieße einfach nur das unendliche Weiß mit seiner absoluten Stille, wenn kein Wind weht….
Vorher viel Text, dann jetzt zur Belohnung auch viele Bilder. 😉 Vielleicht bekommt ihr je eine Idee, warum mich der Salar so gefesselt hat!
Der nächste Tag darf ja nicht fehlen… Ich weiß nicht, ist es euch aufgefallen, zumindest scheint es mir manchmal so, als ob einige Kateen einem den Finger zeigen wollen. 😂
Für gegen die Höhe… 😉

Das passende Video steht nun auch zur Verfügung.

























































































































































































































3 comments
Hallo Raik ,Danke für den tollen Reisebericht und die wunderschönen Bilder.
Es liesst sich wie eine schöne Reise- Lektüre und ich bewundere Deine Ausdauer und Deinen Mut alleine auf diesen abenteuerlichen Pfad ! 🍀🤩
Ich wünsche dir weiterhin nur schöne Momente und Eindrücke von diesem wunderschönen Kontinent.
Bleib gesund und genieße die schöne und unwiederbringliche Zeit !
Liebe Grüße,Detlef
Hallo Detlef, vielen lieben Dank! Das ist Motivation für mich so weiter zu schreiben. Und herzlichen Dank für die Spende! Du müsstest dafür einen Link zu meinem Tracking bekommen haben. Den kannst du einfach anklicken und solltest dann sehen, wo ich unterwegs war, bzw. bin. Wenn du in der Karte auf die 19020 klickst geht das Informationsblatt auf oder zu. Rechts oben im Menu kanst du über den „Blitz“ die Tage einstellen, die du sehen möchtest. Ich machen den Tracker oft nur mit dem Motorrad an, so dass es wie zum Beispiel jetzt keine neue Stecke gibt. Aktuell bin ich in Tarija Bolivien und nach dem ich den letzten Eintrag geschrieben habe, will ich noch das dazugehörige Video fertig machen. Danke nochmal und viele Grüße Raik
Die unendlichen Weiten auf dem Salz sind ja unglaublich! Und das mit den Kakteen hatte ich auch sofort gedacht :))
Kann man beim Tracking auch den Routenverlauf erkennen/einstellen?