Nächsten Tag geht es weiter Richtung Küste. Ich genieße die gemütliche Fahrt und überlege, wo ich in Conceptión bleiben möchte. Ich habe einen kleinen Reisekoller und brauche mal eine Auszeit. Ich hätte nicht erwartet, dass Reisen anstrengend sein kann! Aber scheinbar fordert das ständig auf Achse sein, abladen, packen, Hostal, Hotel, Camping, zum Frühstück gehen, Zimmereinigung und die vielen schnell aufeinanderfolgenden Erfahrungen ihren Tribut! Ich hatte zuvor schon geschaut und mir so meine Favoriten ausgesucht und nun, da ich weiß, ich werde heute noch in die Stadt kommen, buche ich, nachdem ich mich vergewissert habe, dass das Motorrad sicher stehen wird ein AirBnB für eine Woche. Es ist tasächlich mein erstes AirBnB, ich habe keine Erfahrung damit aber alles funktioniert reibungslos! Das Motorrad hat einen eigenen Tiefgaragenplatz und ich eine kleine ganz süße Wohnung und Zeit! Ich muß nicht schon wieder in drei Tagen los und habe auch sonst keine Pläne! Trotzdem gibt es ein paar Sachen, die ich natürlich erledigen will. Ich suche mir eine Wäscherei und bringe eine Stapel Klamotten zum Waschen! Leider waschen sie keine Motorradsachen. Dafür finde ich aber eine ander Wäscherei und bringe nun Jacke und Hose, die wohl noch nie in ihrer Daseinszeit soviel Staub gesehen haben zur Reinigung. Nicht weit von der Wohnung gibt es eine großen, wirklich gut sortierten Jumbo Supermark, in dem ich mich mit Lebensmitteln eindecke und mich darauf freue, ganz gemütlich für mich selbst zu kochen und zum Frühstück gibts Porridge. Ich benutze bewusst das Wort Porridge, da es nicht so sehr nach Haferschleim klingt! Ich mag es aber, vor allem wenn es morgens manchmal nur trocken Toast mit einer Scheibe Schinken und Käse gab und vielleicht noch ein Fruchtjogurt dazu. Also ganz so wie ich will! Verrückt und ich schaue ein paar Tage lang fern, mit Bier und Chips oder Wein. Ich habe seit drei Jahren keinen Fernseher mehr aber hier habe ich tatsächlich mal Netflix ausprobiert. Am Ende war auch das verschwendete Zeit, hat aber mal gut getan. Natürlich schreibe ich auch und schneide Film, streune durch die Stadt, lese ein wenig und suche mir nette Cafe’s. Die Bar ganz oben im Gebäude wo auch der Jumbo drin ist probiere ich aus. Die Sicht über die Stadt von dort ist genial und das Essen mal wieder ganz hervorragend. Die Woche geht schnell vor bei, so wie die Zeit generell. Ich schaue auf die Uhr und muss feststellen, ein halbes Jahr ist um! Einfach so! Gut, ich hätte schneller und öfter unterwegs sein können, so wie ich das von anderen Reisenden erfahre aber dies ist nicht so meine Art! Also muss ich wohl damit klar kommen, das ich eventuell nicht alles sehen werde oder zumindest nicht so viel, wie ich es mir vor der Reise vorgestellt habe. Chef, falls du das liest… ich brauche mehr Zeit und mehr Geld! 😅😉
Nach einer Woche sind die Batterien wieder geladen und ich bin zurück auf der Piste. Ich versuche von Conceptión aus noch einmal direkt ans Meer zu kommen aber es gibt da irgendwie zu viele Zäune und so bewege ich mich gen Norden und dort die Küste entlang, bis ich mit dem Itata Fluß wieder den Weg ins Landesinnere einschlage. Ich bleibe eine Nacht in Chillán. Eigentlich nicht spectakulär aber ich gebe zu auch nicht viel von der Stadt zu sehen. Lustig das der Hoteleingang in einer Einkaufs-Passage liegt und die Rezeption doch tatsächlich meint, dass ich das Motorrad dort auch parken soll. Nagut! Lustig! Ich fahre rein und parke direkt vor einen Herren- und einem Damenfriseur und einem anderen kleinen Geschäft und alle Blicke sind natürlich auf mich gerichtet. Aber keiner stört sich dran, ganz im Gegenteil, es kommt eine Friseurin, die eigentlich gerade am schaffen war raus, fragt woher ich komme und ob sie ein Foto machen kann? Ok, eine neue Erfahrung, Passage-Parken! Ich habe Hunger und schaue welche Möglichkeiten gut aus sehen und zum Teil was die Rezensionen dazu sagen. Letztendlich entschließe ich mich für ein Restaurant und als der Kellener herausgefunden hat, dass ich aus Deutschland komme, redet er doch glatt in perfektem Deutsch mit Östereichischem Akzent an. Ich muss fast laut lachen! Das klingt echt komisch hier! Er ist tatsächlich von hier, arbeitet aber schon seit Jahren in der Saison in Wien. Also gönnt er sich ab und zu im Vorbeigehen ein paar Minuten und so schwatzen wir ein bisschen über unsere Leben. Tags drauf bin ich mit dem Ziel Constitutión unterwegs, zuerst an die Küsten und dann diese entlang nach Norden. In Cobquecura mache ich Pause. So ziemlich am Rand des Ortes, wo ein paar kleine Imbisläden auf haben. Der Tag ist herrlich und nicht sehr weit hinterm Strand ragt eine Insel aus dem Wasser die voller Seelöwen zu sein scheint. Viele tummmel sich im Wasser davor und scheinen tatsächlich Spaß daran zu haben mit den Wellen zu reiten. Ich hole das Tele raus und versuche ein paar schöne Szenen einzufangen!
Constitutión bietet auch nicht so viel. Die Felsen am Meer sind allerdings imposant und der eine ganz große erinnert an den Elepfanten unter dem Hut von Antoine de Saint-Exupéry. Aber es wird schon dunkel als ich von meiner Pension zum Strand aufbreche und so fange ich noch etwas Abendstimmung ein. Am nächsten Tag, schon wieder voll bepackt halte ich noch einmal an diesem Felsen und ein paar anderen ausgewaschenen mit großen Durchgängen drin, um ein paar Fotos zu schießen.
Ich behalte meinen Zickzackkurs bei und bin schon wieder auf dem Weg in die Berge. Es gibt dort ein paar Wasserkuhlen, die ganz spannend aussahen, durch die in kleinen Wasserfällen das Wasser sprudelt und Siete Tazas, die sieben Tassen genannt werden. Es wird ein langer Tag aber das Wetter spielt nach wie vor mit und so fahre ich durch einen weiteren schönen Herbsttag. Ich suche mir ganz in der Nähe eine kleine Cabaña, wobei der erste Versuch mir zwar sehr exklusiv aber eben auch zu teuer erscheint. Gleich ein Stückchen weiter werde ich fündig. Hier ist es zwar günstiger aber eben auch sehr viel einfacher! Ich bin im ersten Hüttchen schon drin und fast eingerichtet, als ich festelle, dass der Gasherd nicht funktioniert. Nun, da ich den Kamin-Ofen nicht anheizen kann und es auch sonst keine Verpflegungsmöglichkeiten gibt, bin ich auf den Herd angewiesen. Also darf ich die Hütte wechseln und kann nun endlich kochen. Zudem wurde mir ausdrücklich gesagt, dass ich auch mit dem Herd heizen soll. Es wiederstrebt mir zwar etwas aber ich lasse den Ofen im Herd laufen und so überschlägt zumindest der Ess- und Kochbereich etwas. Ins Schlafzimmer will die Wärme aber nicht so richtig vordringen. Ich würde meinen, ich schaffe es auf immerhin 16° dort drin. Eigentlich eine gute Schlaftemperatur, wenn sie nicht sofort wieder abfallen würde, sobald der Herd aus ist. Ich lege mir über das Laken mit den Decken noch zusätzlich meinen Schlafsack und so funktioniert das dann auch. Da es mich interessiert, schaue ich doch tatsächlich aufs Termometer am Morgen und sehe dort schlanke 7°C. Also läuft der Herd gleich wieder und Wasser für einen heißen Tee wird aufgesetzt. Die sieben Tassen sind nicht weit davon entfernt aber ich habe kein Ticket und direkt vor Ort kaufen funktioniert nur insofern, als dass ich mich in das kostenlose Wifi einloggen kann, was über Starlink zur Verfügung gestellt wird und ich mir dann auf der Parkseite ein Ticket kaufe. Irgend etwas funktioniert aber nicht. Immern wenn ich bezahlen will springt das Fenster zurück auf Los. Ich schaffe es zwar irgendie mit den Mädels vom Eingang auf die Bezahlfunktion zu kommen aber auch da springt es von Paypal zurück. Bargeld oder Kreditkarte ist nicht! Sie resignieren und letztendlich darf ich so rein. So kompensiert sich mal wieder die vom Standart zu teure Cabaña, mit dem nicht funktionierenden Onlineticket. Ich habe hier keine riesige Wanderung vor mir, obwohl man in dem Nationalpark sicher einige schöne Wanderungen machen könnte! Es gibt ein paar schöne Aussichtspunkte, von denen aus ich ganz gut auf die „Tassen“ schauen kann. Der Name ist schon passend gewählt! Es sieht tatsächlich ein bisschen so aus, als wenn das Wasser durch ein paar Schälchen nach unten fließt. Allerdings zähle ich keine Sieben. Wahrscheinlich sind weiter hinten noch ein paar versteckt. Auf dem Rückweg halte ich noch an zwei ganz imposanten Wasserfällen und bin on the road again.
Auch wenn die Nadel schon wieder zum Meer zeigt habe ich ein anderes Ziel. Ich hatte mich schon lange gefragt, ob es nicht in Chile oder Argentinien Whiskydistillerien gibt. Eine, die scheinbar brennt und Whisky anbietet befindet sich am Lago Vichuquên. Zumindest sagt das Google. In dem kleinen gleichnamigen ganz netten Nest finde ich ein Bett und eine kleine Pizzaria, die tatsächlicht eine ganz gute Pizza bereit hält. Aber meine Distille finde ich am nächsten Tag nicht. Wahrscheinlich fahre ich an dem Weg der dort hinführen soll vorbei ohne es zu merken. Aber es steht auch nirgends ein Schild, eine Reklame oder ein Wegweiser. Dafür eher fast verwilderte Staubpisten, geschlossene Tore und Zäune. Nagut, bleibe ich also beim Wein. Ich fahre sowieso gerade in die Weingegend ein und Eduard hatte mir die Gegend hier um Santa Cruz empfohlen. Ich solle doch unbeding mal ein Tasting machen. Ich glaube, das fällt mir nicht schwer! Ich finde ein Hostal mit sicherem Parkplatz, wobei hier wahrscheinlich ohnehin nichts passieren würde und erkundige mich, wen ich hier besuchen sollte. So habe ich bereits eine Auswahl an Weingütern und besuche noch am Abend eines in der Nähe zu Fuß. Sie haben tatsächlich noch etwas auf, ich probiere und gönne mir von dem, der mir am besten gefallen hat noch einmal ein ganzes Glas. Ich stelle mich damit vor den Verkaufsraum der Viña Laura Hartwig und genieße ein wirklich gutes Glas Roten bei herrlichster Abendstimmung! So kann Urlaub sein! Ich nehme tatsächlich noch eine Flasche von dem selben Wein mit, man weiß ja nie! Direkt neben meinem Hostal hat die Casa Suiza ein Werbeschild draußen stehen, für selbst geführte Weinverkostungs-Fahrradtouren. Also frage ich nach. Moritz spricht Deutsch und wie soll es anders beim Namen Casa Suiza, kommt er aus der Schweiz. Ich farge mich, warum ich nicht sein Hostel genommen haben…? Egal, dafür ist es nun zu spät aber ich buche bei ihm eine Fahrrad für den nächsten Tag und er reserviert mir auf zwei Gütern die Tastings. Ich bin gespannt! Am nächsten Morgen bin ich wahrscheinlich zu zeitig da, da ich für mich nicht richtig einschätzen kann, wieviel Zeit ich zum ersten Weingut brauchen werde. ich bekomme von ihm Schloß, eine eingeschweißte Karte, wie ich mich zu den Gütern finden kann und einen Helm. Ok, am Anfang benutze ich ihn noch aber ich habe ein gewisses Widerstreben. Zumindest sieht es doof aus! Sicherheit hin oder her! Hätte ich den Motorradhelm nehmen sollen? Der wäre zumindest cheffiger gewesen! Na dann radel ich mal los! Soweit tritt es sich ganz angenehm und es ist mal was anderes, sich aus eigener Kraft fortzubewegen! Und nun bekomme ich auch endlich mal das Gefühl, was all die Fahrradreisenden haben müssen, wenn sie nur knapp überholt werden. Zudem bin ich auf Asphalt, also noch nicht einmal auf einer Schotterpiste, wo es nebenbei noch ordentlich staubt! Natürlich war ich zu zeitig und zu schnell, daher gondel ich noch ein wenig durch das anliegende Dorf und biege dann auf das Weingut Maquis ein. Trotzdem ich etwas früh bin, werde ich sehr freundlich hereingebeten und mit einem Weißwein empfangen. Sehr lecker übrigens! Die junge Frau führt mich nach draußen und wir führen ein sehr angenehmes lockeres Gespräch, in dem sie mir das Weingut, das hiesige Mikroklima, die Weinsorten und die Weine erklärt. Wer jetzt denkt, alles auf Spanisch!? Schön wärs aber zu meinem Glück spricht sie Englisch was für mich dann doch wesentlich einfacher ist! Spannend ist die Geschichte des Caménère! So existiert dieser fast nicht mehr in Europa oder sogar gar nicht mehr und hier in Südamerika, insbesondere Chile hatte man den auch nicht auf dem Schirm, bis ein Französicher Profi herausfand, das es ein Caménère ist anstatt ein Cabernet Frank wie man sonst hier annahm. Zurück im Probenraum wird mir Marquis bester Caménère, ein Gewinner der besten Weine der Welt serviert. Dummerweise zuerst! Oder vielleicht doch nicht dummerweise? Zumindest bin ich begeistert! Enschuldigt wenn ich hier kein Somelierwissen auffahre aber ich versichere euch, der war verdammt lecker, komplex, mit einer herrlichen Farbe und einem unwahrscheinlichen Duft! Auch die anderen drei Weine die ich probiere sind hervorragend aber der Marquis Viola 2021 hat es mir tatsächlich angetan!!
So kann es eigentlich weitergehen! Mit einem leichten Schwipps mache ich mich auf den Weg zum zweiten Weingut. Ich muss mich nicht beeilen, da ich gut in der Zeit liege. Da mein Frühstück etwas zurückliegt und zwischen den Verkostungen nur kleine Geschmacksneutralisatoren gereicht wurden, merke ich den Wein nun doch etwas auf dem Rad. Aber ich bin mutiger und lasse den blöden Helm weg. Es reicht, wenn ich ihn dabei habe! Viña Mont Gras ist nicht weit entfernt allerdings scheint es, als ob man mich dort nicht so richtig erwartet hat. Irgendwie bin ich auf der Liste oder man weiß Bescheid aber es fühlt sich ein bisschen an, als wäre ich vergessen worden. Ein wirklich junger Bursche übernimmt mich und macht seine Sache ganz gut! Es scheint mir etwas einstudierter zu sein aber soweit in Ordnung. Die Weine sind wirklich gut aber…, sie kommen an die vier Weine von Marquis nicht heran. Vielleicht wäre es anders gewesen, wenn ich die Runde anders herum gedreht hätte und man mir nicht gesagt hätte, dass der Marquis Viola 2021 der Weltbeste Camérère ist… Ich glaube nicht. Ich mache mich auf den Rückweg, fahre aber eine Runde, statt den selben Weg zurück. Insgesamt sind es gar nicht so viele Kilometer aber der Popo ist den harten Mountainbikesattel nicht gewöhnt und so rutsche ich mit denn Backen hin und her und habe Santa Cruz bald erreicht, gebe mein Fahrrad ab und beende den Tag natürlich im Restaurant mit einen Glas Rotwein! Den letzten Tag in Santa Cruz nutze ich noch einmal, um etwas zu arbeiten und mir das Museum anzusehen. Es ist ein großes Sammelsurium aller möglichen Dinge! Von alten Steinen, Dino-Skeletten, über alte Kutschen, Waffen, bis zur Industrialisiernung ist alles zu finden. Wirklich schön präsentiert, hätte ich das auch in der Größe hier nicht erwartet. Ein ortsansässiger Millonär hat da wohl seinen Traum erfüllt!
Meine Zeit in Chile, dass ich nun fast komplett einmal der Länge nach durchquert habe neigt sich dem Ende. Santiago als Hauptstadt fehlt mir noch und da ich ohnehin mit dem nächsten Service fällig bin und es einen guten Vertragspartner in der Stadt geben soll und meine AirBnB-Erfahrung klasse war, buche ich mich noch einmal in eines ein. Die Fahrt nach Santiago ist fast unspektakulär und es ist eben eine Großstadt! Ich habe eine Wohnung im 19 Stock, Tiefgarage und zwei Balkone wobei ich von dem einen über die Hochhäuser auf die Berge schauen kann. Einen kleinen Haken haben die zwei Balkone, so schön sie auch sind, sie machen mir Gefühle! Jedes Mal, wenn ich sie betrete, bekomme ich ein kribbeln im Bauch! Leider kein Liebesgefühl! Die Balkongeländer reichen mir noch nicht einmal bis zur Hüfte, so dass der Kipppunkt um einiges drüber liegt und ich mich tatsächlich immer schön festhalte! Eigentlich habe ich keinen Bammel irgendwo am Abgrund zu stehen und Condoren bei ihren Flugmanövern zuzusehen aber die Großstadt ist anders. Für den nächsten Tag habe ich einen Werkstatt-Termin. Ich bin bei meiner Ankunft in Santiago schon ein mal bis dort hinter gefahren, einfach, um mich schon einmal mit dem Weg vertraut gemacht zu haben aber heute gibt es ein Problem! Das Navi will nicht! Und ich weiß nicht warum! Ich hatte es noch aus der Halterung herausgenommen und war der Meinung, dass es geladen sein müsste, beziehungsweise, es sich ja wieder laden müsste oder angehen, sobald es mit der externen Versorgung des Motorrades angeschlossen ist. Nada! Nichts! So eine Sch…!! Ok, Ich habe das Handy, um mich nocheinmal zur Werkstatt zu finden aber keine Halterung dafür! Also noch mal die Route auf dem Handy angeschaut, in die Hosentasche damit und los. Ich finde natürlich nicht auf anhieb die Stadtautobahn aber irgendwie schlängel ich mich durch die Stadt in die richtige Richtung und mit zwei drei Mal draufschauen finde ich mich auch zur Werkstatt. Eigentlich ist es ein privates Haus mit einer kleinen Werkstatt vorne dran. Wir hatten den Termin abgesprochen und so gebe ich das Motorrad ab und bitte darum, vielleicht auch mal aufs Navi zu schauen. Vielleicht haben sie ja auch eine Idee. Die nächste U-Bahn Haltestelle ist etwas entfernt und fast auf dem Weg liegt ein Stadtteil mit dem höchsten Hochhaus Santigos und einem riesigen Einkaufszentrum. Gemütlich laufe ich durch zwei Parks in die Mall und schaue was es so gibt. Es gibt alles, so wie bei uns, gefühlt noch viel mehr und alles glitzert bunt, modern und riecht nach Parfümen, Süßigkeiten und Essen. Apropos…, in einem süßen Outdoor Café lasse ich mich nieder und bestelle mir ein kleines Frühstück. Entspannt schaue ich dem Trubel der Leute zu und denke mir, das Leben kann doch schön sein! Mit der U-Bahn gehts zurück, die gerade mal 50m von meinem Hauseingang hält. Bisschen einkaufen für mich, die nähere Umgebung erkunden, noch irgendwo einen Kaffee trinken und am Abend für mich kochen. Ich kann das Motorrad nächsten Tag gegen Abend abholen, also sitze ich wieder in der U-Bahn, laufe wieder durch die Parks und bin rechtzeitig vor Ort. Noch ist es nicht ganz fertig, es bekommt noch die letzten Streicheleinheiten und dann ist es blitze blank! Wow!! So sauber war es schon lange nicht mehr!! Es gefält mir richtig gut! Auch mit etwas Staub und Patina mag ich es aber so, könnte ich mich fast neu verlieben. Mit dem Navi hatten sie nichts erreichen können aber auch das hatte ich geahnt! Ich überlege die Möglichkeiten aber so richtig sinnvoll erscheint mir nichts. Also bezahle ich erst einmal. Versuche es zumindest! Was soll das denn nun!? Keine meiner zwei Karten funktioniert, auch nach wiederholten Versuchen nicht! Oh Mann! Ich ahne den Grund aber es ist mir saupeinlich! Wir vereinbaren, dass ich es nächsten Tag abhole. Es ist zwar Sonntag aber da die Cheffin hier wohnt und sie nichts unternehmen, ist es für sie kein Problem, wenn ich vorbeikomme. Der Grund warum meine Hauptreisekarte nicht funktionert hat ist einfach, es war nicht genug drauf. Ich überweise mir auf die Karte eienn entsprechenden Betrag und nächsten Tag funktioniert alles wie gewohnt! Sonntag Nachmittag ist ausgebucht. Carlos hat Geburtstag! Wir hatten und in Antofagasta das erste Mal getroffen und danach noch einmal in San Pedro de Atacama und seitdem auch immer mal wieder über WhatsApp geschrieben. Zudem hatte ich versprochen, wenn ich wieder in Santiago bin, daß wir uns treffen. Das er in der Zeit auch noch Geburtstag hat, hatte ich nicht gewusst und ich habe eine Einladung. Wie gut, dass ich mir einen ganz guten Wein in Santa Cruz gekauft habe. So komme ich wenigstens nicht mit leeren Händen. Lustig seine Familie kennen zu lernen und so hangel ich mich mit meinem „ich kann nach einem Bier fragen“ – Spanisch durch. Am Abend gibt es Karaoke! Das ist so gar nicht mein Ding aber ich kann mich ja jetzt nicht wirklich entziehen! Ich kann mir auch aussuchen, was ich singen möchte…. hahahahaha. Naa gut, ich wähle Nenas 99 Luftballons, das ist schon wieder international und natürlich kennen sie es! Aber ich singe nicht auf Spanisch, natürlich im Original. Uijuijui! Wer weiß wie sich das angehört hat aber ich bekomme meinen Anteil Beifall. Vielleicht kann ich ja nun eine neue Karriere starten?
Inzwischen habe ich eine Idee wie ich mein Garmin ersetzen kann und die Chance hier in Santiago was zu finden ist eigentlich nicht schlecht. Ansonste könnte ich es auch zu Hause kaufen und mir mit unseren Piloten mitbringen lassen. Also verfolge ich beide Möglichkeiten. Ich bin auf ein Carplay aus. Einfach nur ein Monitor, der mein Handy wiederspiegelt. Das Garmin irgendwo reparieren zu lassen, diese Idee habe ich nicht lange vervolgt. Wahrscheinlich würde man es auch hier einfach nur einschicken und das könnte ewig dauern. Ich hatte so etwas auf der Motorradmesse in Köln gesehen gehabt und fand diese Idee eigentlich nicht schlecht. Ich klappere eine Straße voller Mottorradwerkstätten, -händler und -ersatzteile Läden ab und entdecke in einem Schaufenster das was ich suche! Sie selbst haben das Chigee Carplay leider nicht aber ihr anderes Gechäft, was nun wierdum in der Nähe meiner Werkstatt liegt hat so etwas. Da ich bis hier zu Fuß unterwegs war, da es nicht soweit vom AirBnB weg lag, laufe ich zurück und nehme das Motorrad. Der nächste Laden hat was ich suche! Die kleine Version aber vorerst ausreichender Ersatz! Ich schlage zu und fange gleich noch vor Ort an zu montieren aber… Mist, der Adapter der Halterung für die dünne Querstrebe, wo die Halterung des Garmin drauf sitzt passt nicht und sie haben natürlich nichts passendes, bzw. einen passenderen Adapter. Ich darf mir also weiter den Kopf zerbrechen, wie ich mein Problem gelöst bekomme. Zur Not könnte ich mir das von zu Hause mitbringen lassen. Es ist schon spät und heute noch was finden, dafür reicht die Zeit nicht. Ich fahre zurück und fange an im Internet zu recherchieren. tatsächlich finde ich einen passenden Adapter, allerdings für die feste Montage. Es ist ein anderes Geschäft, natürlich ebenfalls in der Nähe der Werkstatt. Ein Zeichen? Nächsten Tag bin ich vor Ort und tatsächlich haben sie es. Die Halterung des Touratech-Halterung des Garmin muss runter, die andere drauf und alles angeschlossen werden. Die Tiefgarage im AirBnB ist nicht so geeignet und hier draußen habe ich nicht so die Lust. Ich bin einfach mal so frech, fahre an die Werkstatt, klingel und frage, ob sie es eventuell demnächst montieren könnten. Schwupps sitze ich auf der Wartebank, unterhalte mich mit einem anderen jungen Deutschen Motorradfahrer und eine knappe Stunde später ist alles montiert und funktioniert. Großartig!! Ich genieße die restliche Zeit in Santiago, streune noch etwas durch die Stadt und sitze einen Abend auf dem Balkon und o Wunder da ist noch eine andere Flasche Wein in meiner Tasche. Ein Marquis Viola 2021 versüßt mir die Aussicht und mit jedem Schluck wird er besser! Meine Zeit in Santiago ist um, und rennt ohnehin viel zu schnell, das Motorrad ist wieder fit und ich verspüre den Drang endlich wieder etwas mehr Natur zu sehen. Wobei…































































































































































































