Die erste Fähre habe ich geschafft aber die war auch die Einfachere. In Hornopirén wird es wahrscheinlich schwieriger. Ich weiß, dass ich eine Reservierung brauche, die habe ich aber nicht. Wiederum von anderen Fahrern aus der WhatsApp-Gruppe weiß ich, daß ich mich einfach vorne anstellen muss und wenn Platz ist komme ich mit.
Ich gehe in ein kleines Hostal, welches sehr gute Bewertungen bekommen hatte und auch der Inhaber Sebastian sagt mir, ich soll einfach in das Ticketoffice gehen und mein Glück versuchen. Gesagt getan, es ist Donnerstag und am Schalter wird mir gesagt, die Fähre ist ausgebucht und das früheste Ticket gibt es für Sonntag um 10:00 Uhr. Also kaufe ich das Ticket für Sonntag. Aber auch die Dame sagt mir, ich soll mich morgen einfach mal mit anstellen. Bei einem Kaffee und Kuchen schaue ich mir an, wie die 18:00 Uhr Fähre abgefertigt wird und bin auf den nächsten Tag gespannt. In einem einfachen Restaurant gleich in der Nähe vom Hotel gibt es eine Meeres-Eintopf und frisch gezapftes Bier. In den Muscheln knirscht ab und zu der Sand aber ansonsten ist er sehr lecker! Zurück im Hostal geselle ich mich zu Sebastian, dem Gast Sebastian und Almendra. Ich frage den Chef nach der Gitarre, die ich da stehen sehe und ob er spielt und so komme ich in den Genuss von ein paar Ständchen. Auch der andere Sebastian, von dem ich erfahre, dass er unterwegs ist, um die Überwachungs-Aparaturen der Fischfarmen zu kontrollieren spielt Gitarre und so übernimmt er und spielt und singt ebenfalls. So werde ich mal wieder daran erinnert, das es sich durchaus lohnen würde, wenn ich mich mehr mit meiner Gitarre beschäftige.
Am nächsten Morgen stehe ich zeitig am Fähranleger und geselle mich zu den anderen Motorrädern. Ein Einweiser geht durch die Reihen, kontrolliert die Tickets und verteilt laminierte grüne Haken und Rota „A“s. Ich dachte noch das A bedeutet sowas wie „A“ccepted, erfahre aber sehr schnell von Paolo aus Kolumbien, dass das Adelante heißt und so viel wie Warteliste bedeutet! Eine Fünfergruppe Slowaken kommt ebenfalls mit den schönen großen GS’en an, reiht sich ein und kommt ins Gespräch mit dem Einweiser. Ihr Spanisch ist noch viel rudimentärer als meins, sie verstehen aber, dass sie noch ein Ticket im Fährshop gegenüber kaufen müssen. Doch der Beauftragte kommt zurück und diskutiert. Was ich daraus verstehe ist, daß sie kein Ticket für in ein paar Tagen kaufen wollen. Also kläre ich sie auf englisch auf, dass sie einfach nur dieses Ticket brauchen, für welchen Tag auch immer und dann mit dieser Fähre mitkommen.
Und so passiert es dann auch. Die Motorräder allesamt als erstes ins Unterdeck und links und rechts vom Mittelstreifen geparkt, damit da dann jeweils die Autos daneben können. Die Jungs sind sichtlich erleichtert! Die erste und fast drei stündige Fahrt geht bis Leptepu, da noch ein paar wenige Kilometer über Land bis nach Fiordo Largo und dann auf eine kleinere Fähre drauf, um noch bis Caleta Gonzalo zu kommen. Die kleine Fähre muss mehrmals fahren, um alle Fahrzeuge die auf der Großen waren abzuarbeiten. Aber Motorräder wieder zuerst!
Bereits auf der langen Fahrt hatten sich Regen und Wind schon angekündigt und so erwartet mich die Carretera Austral mit Regen! Ich lege zumindest die Regenhose an und mache soweit alles dicht. Einen weiteren Wassereinbruch brauche ich nicht! Kaum wieder auf der Straße wird das so eine Art Wettrennen! Jeder fährt über die nasse Schotterstraße wie er kann. Die Straße mutet schwarz an und glänzt vor nässe und ist von einem Dschungel an Grün eingebettet. Das was ich hinter der Grenze nach Chile schon empfand, fühlt sich hier noch einmal viel dichter, grüner und undurchdringlicher an! Ich arbeite mich an den Langsamen und Mittelschnellen vorbei, die Kollegen aus der Slowakei sind nochmal viel schneller unterwegs, Paolo mit seinem unübersehbaren Pi auf dem Koffer will ins Zelt und sucht sich auf iOverlander einen Platz und ich will bis Chaitén. Der Dschungel ist irgendwie faszinierend und da ich keine Vorstellung von der Careterra Austral habe, hoffe ich, dass es nicht nur undurchdringlichen Dschungel, mit kaum Wegen abseits davon gibt.
Vor Chaitén sind die Handschuhe durch aber die Griffheizung hält die Hände warm, zumindest von unten. Die Jacke macht sich auch langsam wieder bemerkbar. Ich brauche eine vernünftige Lösung für solches Wetter! Ich Klapper mal wieder ein paar Hostals ab aber es ist nunmal Sommer und Saison und viele haben schon außen dran stehen, das sie keine Zimmer mehr haben. Ich stehe triefend in einem kleinen Hotel und mir ist es schon peinlich, dass das Wasser nicht nur von den Ärmeln tropft, sondern schon fast ein kleines Bächlein ist. Ich bekomme dort ein ganz nettes Zimmer allerdings ungeheizt! Wie nett, dass wenig später der Regen aufhört und tatsächlich sich die Sonne blicken lässt. Wirklich warm ist es nicht aber die Sonne hilft ungemein! Ich besuche das kleine Vulkanmuseum, dass über den verheerenden Vulkanausbruch des gleichnamigen Vulkans 2008 berichtet. Am Museum wurden einige Ruinen belassen, die als Zeugen dienen, wie ein Teil des Dorfes zerstört und durch den Fluß zweigeteilt wurde. Natur kann schon ganz schön gewaltig sein, in jeglicher Hinsicht!
Der nächste Tag beginnt wesentlich schöner und es scheint sogar warm zu werden. Die Sachen sind doch soweit trocken geworden und den Rest müssen Sonne und Fahrtwind erledigen. So genieße ich einfach meine Fahrt und die blauen Stellen am Himmel, durch die immer mehr die Sonne scheint! Es lässt sich wunderbar cruisen, hier und da mache ich ein paar Bilder, halte auf einen Hamburger und Kaffee an. Ich fahre durch bis Puyuhuapi, einem kleinen Dorf am Ende eines Fjordes, das 1935 von ein paar Deutschen gegründet wurde. Es sieht etwas touristisch aus, lebt zumindest nur davon, so scheint es. Den alten Friedhof mit den deutschen Gräbern besuche ich nicht, trozdem ich mir hier zwei nächte gönne. Der eine Tag geht mal wieder für die Homepage und Film schneiden drauf, wobei ich in meinem Hostal einen kleinen Aufenhaltsraum habe, mit wunderbarem Blick auf das Wasser! Am letzten Abend esse ich Outdoor an einem Hamburgerwagen und unterhalte ich mich mit einem Reisepaar, das allerding nur ein paar Wochen unterwegs ist. Ich genieße den Blick auf das Wasser, ein Standup-Paddler zieht gemütlich seine Runde und irgend etwas anderes als Fisch schwimmt entfernt auch herum, allerdings kann ich es nicht erkennen.
Meine Zwischenetappe ist erstmal Puerto Cisnes. Allein der Weg dort hin bietet wieder schöne Aussichten und so mancher Gletscher lässt sich gut von der Straße aus sehen. Ich bin wieder auf Schotter und über enge Serpentinen erklimme ich einen kleinen Pass der durch dicht bewachsenen Urwald führt mit sensationellen Blicken zurück auf eis- und schneebedeckte Berge. Puerto Cisnes ist nicht mehr weit. Als ich ankomme fahre ich einmal die Uferpromenade ab und halte an einem netten Restaurant mit Terrasse. Ich gönne mir Lachs mit Kartoffelbrei, was sehr lecker ist und genieße den Blick auf die weite, im Sonnenschein ruhig daliegende Bucht, den Fjord dahinter und die Berge am anderen weit entfernten Ufer. Es ist gerade einfach nur schön und gemütlich und lädt eigentlich zum Bleiben ein. Nebenbei schwatze ich ein wenig mit Paola vom Nachbartisch und erfahre, das sie aus Salta ist. Aber ich will noch ein Stückchen hinter mich bringen und das Ziel ist Puerto Chacabuco in der Nähe von Puerto Aisén. Auf der Hauptstraße in Chacabuco laufen mich zwei Hunde wild kläffend und mit gestäubten Fell an und rennen dicht hinter mir her. Es ist nicht das erste Mal und langsamer werden hilft durchaus oder gleich richtig durchziehen. Ich fahre erstmal bis zu Ende des Ortes, um mich zu orientieren und mir in den einschlägigen App’s eine Unterkunft zu suchen. Dabei sehe ich auch mein Fotoziel für den Rest des späten Nachmittages. Ein altes großes rostiges Schiffswrack, welches direkt am Strand der Bucht aus dem Wasser ragt. Doch erstmal das ausgewählte Hostal, wovon es hier nicht allzu viele gibt anfahren. Die beiden Wilden „begrüßen“ mich wieder wild jagend und dummerweise ist der Hostaleingan direkt vor ihrem Revier. Als durch! Falls einer beißt, durch die Stiefel kommt er sicher nicht durch! Ich halte vor der Tür steige ab und das allein verwirrt die beiden schon und als ich dem einen auch noch den Kopf kraule ist er völlig verwirrt! Eben war ich noch der böse Motorradfahrer und nun plötzlich Streicheleinheiten? Für einen Moment habe ich ihm wohl sein Weltbild zerstört! Ich mache mich auf dem Weg zum Schiffswrack und schaue, was ich alles für Motive finde. Zudem ist es eine schöne Gelegenheit auch mal wieder ein bisschen mit der Drohne zu spielen.
Ich teile die Bilder in die mit „original“ Farbe:
Und in die Bilder wo ich ein bisschen mit anderen Einstellungen arbeite:
Der nächste Tag wird kurz. Das Wetter spielt immernoch ganz hervorragend mit! An einem kleinen Wasserfall, als ich gerade los will fähr ein Motorrad mit Luxemburgischen Kennzeichen ein. Ich unterhalte mich super nett mit Steffi und Pascal und wir tauschen Instagram aus. Die beiden haben alles verkauft und sind losgezogen! Beide auf einer Maschine und die vollgepackt! Ich glaube sie haben zusammen, so viel wie ich, …na gut etwas weniger… In einem ihrer nächsten Videos sehe ich Pascal einen heißen Weely mit ihrem Panzer hinlegen und bin etwas neidisch! Gegen Mittag treffe ich in Coyhaique ein, einer doch recht großen Stadt. Aber ich habe hier nichts besonderes geplant, ich will eigentlich ein bisschen Maintenance betreiben. Ein paar Löcher in den guten Merinosachen müssen gestopft werden, beim rechten Handschuh ist eine Naht auch etwas offen, ich will schauen, daß ich ein paar neue Hosenträger bekomme, da die alten nun doch arg ausgeleirt sind und schaue doch noch einmal nach einer Regenjacke für über die Motorradjacke. Letzteres gestaltet sich schwierig. Es gibt in den diversen Motorrad und Outdoorläden zwar ganz gute dünne Modelle, die meinen Vorstellungen entsprechen würden, aber nicht in der 2XL oder sogar 3XL Größe, die ich bräuchte. Spät am Abend, kurz vor Ladenschluß werde ich doch noch fündig. Da der Laden um die Ecke vom Hotel ist, hole ich sogar noch die Motorradjacke und teste aus, ob es funktiuonieren würde. Gerade so! Aber für den Notfall und Dauerregen ok!
Aus Coyhaique raus ist die Landschaft recht sanft hügelig, ein paar leichte Kurven und schönes Wetter und es macht schon wieder Spaß! Bald geht es wieder in die Berge gehen, was meist mehr Kurven und noch schönere Bergansichten bedeutet! Mein Ziel ist Puerto Rio Tranqillo mit seinen Marmorhölen aber bis dahin ist es noch ein Stückchen! Nach dem Hügelland und den Bergen öffnet sich ein weites schönes Tal und ich nutze das nächste Dorf, um eine Futterpause zu machen mit herrlichem Blick auf den Cerro Castillo. Im selben Restaurant halten auch zwei Familien die ich vom sehen von der langen Fähre kenne. Aber auf der Carretera Austral trifft man sich wahrscheinlich immer mal wieder. Aus dem Dorf raus über eine kleine Brücke erspähe ich aus dem Auge heraus eine kleine Confluencia und drehe um, weil ich denke es könnte ein schönes Fotomotiv sein. Die kleine Schlucht bietet sich auch an, um die Drohne durchfliegen zu lassen. Aber was ist das denn nun wieder!? Sie ist mal wieder in Höhe und Weite eingeschrängt! Ich kenne das schon, da hilft wohl erst wieder ein Update! Zumindest habe ich noch nicht herausfinden können, wie ich das anschalten kann!? So bisschen kriege ich doch drauf, mache noch ein paar Fotos und fahre weiter. Aber nicht sehr weit! Ein großer Aussichtspunkt lockt, mit einem irre weiten Blick über das vor mir liegende Tal und rüber in die Crdillera Castillo! Zuerst treffe ich einen Mopedfahrer aus Columbien, mit dem ich etwas schwätze und als er abgefahren ist kommt Matthis aus Deutschland. Letztendlich haben wir beide das selbe Ziel fahren aber unseren eigenen Stiel. Der zwischenzeitliche Asphalt geht wieder in Schotter über und es Staubt ordentlich!!
Ich wäre fast dran vorbeigerauscht aber links von mir liegt der Lago Verde! Und der beeindruckt mich, dass ich die Straßenseite wechsel und anhalte! In einem unbeschreiblichen milchig hellem Türkis ohne auch nur einem Hauch einer Welle liegt er da und macht einen völlig surrealen Eindruck! Mir kommt es vor, als ob jemand eine riesiege Glasscheibe drauf gelegt hat oder sich die Fläche gleich teilt und 007 mit einer Rakete rausgeschossen kommt! Ein Ehepaar hat meine Deutsches Kennzeichen erkannt und so plauschen wir einen Augenblick, Matthias kommt hinter mir vorbeigefahren und ein Tanklastzug wirbelt unmengen an Staub auf. Ich habe genug Fotomaterial und fahre weiter.
Ich teile wieder, Bilder in „original“ Farbe:
Bilder verspielt:
Allerdings nur, vielleicht einen Kilometer, zwei? Die nächste Aussicht auf die nächste viel größere Confluencia. Ein weiterer Zusammenfluß von zwei Flüssen und wieder von unterschiedlicher Farbe. Hier nicht so rauschend aber über eine größere Fläche im Tal verteilt und wunderschön anzusehen, wie sich die Farben in einer Art kleinem Delta mischen und das Grün und die Berge ihren Kontrast dazu geben. Eine schöne Steigerung zur ersten und es ärgert mich sehr, daß ich nicht mal drüber fliegen kann und mir das ganze von oben ansehen kann. Das wäre sicher spektakulär!!
Bilder „normal“:
Bilder „verspielt“:
Auf gehts weiter nach Rio Tranquillo! Alles Schotter, der Wind steht fast und es staubt heftig! So manch Pickup ist wie immer schneller und die die ich einhole, denen folge ich in ihrer Wolke, bis sich die Chance zum überholen bietet! Ich hole Matthias ein und die jungen Columbianer auch und erreiche Rio Tranquillo. Aber nix Tranquillo! Hier tummelt sich mal wieder alles, was es so an Touristen zu geben scheint! Eijeijei, das wird schwierig! Das erste Hostal was ich anfahre, geführt von einem Deutschen Paar, dessen Dialekt mir vertraut scheint, nuwa, ist leider völlig ausgebucht! Sie geben mir zwar einen Tip aber auch da ist nichts zu bekommen. Mal wieder hängen auch diverse „keine Zimmer“ Schilder draußen. In einem kleinen Hostal könnte ich etwas für eine Nacht bekommen aber ich brauche zwei. Ich treffe auf der Straße Matthias wieder, bei ihm sieht es nicht viel besser aus und wir entscheiden, den Campingplatz auszuprobieren. Da bekommen wir gut Platz mit diversen Hühnern, die mit ihren Küken das Graß klein halten! Duschen und WC sind ok aber auch das habe ich schon besser erlebt! Aber das passt schon. Nachdem der Staub abgespühlt ist, geht es über den Stoppelacker von Fußballplatz direkt gegenüber ins Restaurant. Bier und Staek sind lecker und der Kellner sehr freundlich! Nach ein bisschen Schnak gibt er mir eine Karte, um evtl. noch eine geführte Tour in die Berge zu einem Gletscher zu machen. Ein junger Amerikaner bekommt das mit und fragt, ob er das abfotografieren darf. Ich erwähne es, weil er zumindest für uns alle Klischees eines „Amis“ erfüllt. Jung, kräftig, gut aussehend, lockiges Haar etwas versnobt, wie aus einer Soap Opera! 😉 Gut, ich gebe zu, um meinen Bauch müsste ich mich auch mal kümmern. 😂 Der Verdauungsspazierganz fürht uns an den See, um auszuloten was uns die Bootsfahrt zu den Marmolhölen kosten würde. Es kostet eigentlich bei jedem Anbieter das selbe und die eine Bude hat noch auf. Die Jungs sind geschäftstüchtig und bieten uns, wenn wir jetzt in Bar zahlen 10% Rabatt. Wahrscheinlich ist das ohnehin der normale Preis aber wir akzeptieren und haben somit die große Runde mit ein paar Inseln und den Marmorhölen in Sack und Tüten. Ich glaube wir hatten die 10:00 Uhr Tour genommen, so ein bisschen ausschlafen muss schon sein. Mit einer ordentlichen Geschwindigkeit geht es über den größten Binnensee Chiles zu erst zu ein paar Inseln mit Schiffswrack und wo ein Herzchirurg aus Coyhaique sein Wochenendhäuschen auf einer der Inseln stehen hat und dann weiter an den Inselkanten vorbei, die wunderbar ausgehölhte Marmorhölen bilden. Hier und da kann sogar unser Boot ein Stückchen reinfahren. Das sieht in dem blauen Wasser und dem Sonnenschein schon sehr fantastisch aus! Die Strukturen unterschiedlichen Grautöne, Streifen, Hölen und Säulen sind durchaus beeindruckend. Es geht nochmal für gute 10min im Highspeedtempo zur Catedral de Marmol und die ist noch einmal wirklich ein paar Nummern schöner anzusehen! Einige Kajakfahrer tummel sich da. Der Bursche aus New York ist auch dabei, natürlich Oberkörper frei, nur mit Schwimmweste, wäre ja auch nicht anders gegangen. Aber wie wir erfahren alles geführte Touren und wirklich nahe ran oder durchfahren darf man nicht. Sie passen zumindest sehr darauf auf, dass niemand etwas kaputt macht. Ein paar Idioten haben wohl vor ein paar Jahren angefangen sich mit ihren Namen verewigen zu wollen… Ich schieße unmengen an Fotos, mal sehen was davon was taugt. Also evtl. bekommt ihr viel zum Schauen, wenn ich nicht ordentlich aussortiere. Schließlich wir der Tag noch richtig angenehm warm und ich entschließe mich nach einem Spazierganz mit Kaffee und Kuchen, doch noch die Badehose zu holen. Am Strand treffe ich „Pi“ Paolo wieder der unterwegs Rowan mit seiner Triumpf Scrambler aufgegabelt hat. Rowan ist Ami, ebenfalls aus New York und er rückt mein Bild wieder gerade. Ich springe…, naja gehe langsam ins Wasser. Die oberen 20cm sind ja okay-frisch aber tiefer merkt man, dass das Wasser wohl auch von den Gletscherflüssen gespeist wird. Zumindes hat es nicht die Temperatur, um unbedingt eine halbe Stunde drin bleiben zu müssen!
Bilder „normal“:
Bilder „verspielt“:
Das Wetter bleibt verdammt schön! Nach einem Minifrühstück an einer Panaderia fahre ich noch an die Tankstelle. Doch bevor ich an der Panaderia loskomme, fährt Wolfgang ran. Lustigerweise hat er genau denselben Anzug wie ich an! Sein Kennzeichen wundert mich! Ich hatte ihn schon am Tag zuvor an der Tanke gesehen aber anhand des Kennzeichens nicht als Deutschen identifiziert. Er erklärt mir, dass er sich hat ein Art Mini-Chilenisches-Kennzeichen machen lassen und damit das Reguläre ersetzt. Auch wir haben mehr oder weniger die selbe Richtung, mal davon abgesehen, dass es bis Villa O’Higgins auch nicht so viel mehr gibt, es sei denn man biegt nach Argentinien ab. Ich lasse meinen Tank voll machen und als ich bezahlen will heißt es Systemausfall! Es kann nicht mehr bezahlt werden! Ist mir ja fast erstmal egal, der Tank ist ja voll. Der Kollege meint Bar geht auch nicht, da er keinen Beleg ausdrucken kann. Hm, also warten…, bis ein etwas jüngerer Tankwart vorbeikommt und der akzeptiert Bares! Das verschafft mir einen Vorsprung zu allen anderen, die noch tanken müssen und in die selbe Richtung wollen und bedeutet hoffentlich auch weniger Staub! Am blauen See entlang geht es weiter Richtung Süden und an einer ganz netten Stelle mit Aussicht steht Wolfgang und macht Frühstück! Recht hat er irgendwie! Aber trotzdem wirbeln einige die aus der anderen Richtung kommen wieder Staub auf! Schon bald komme ich über eine Brücke und das ist ja irre!! Der Fluß darunter ist blau! Ich bin schon drüber aber drehe nochmal um, um mir das ganz genau anzusehen! Es ist nicht so das übliche schöne blau, sondern blau blau! So richtig, als ob da einer einen riesiegen Topf blaue Farbe reingekippt hat. Irre faszinierend! Ich filme und mache Fotos und bin wirklich beeindruckt. Es hält auch jeder an, um sich diese Schauspiel anzuschauen! Ein Däne mit seine Argentinischen Freundin lässt die Drohne fliegen. Wir schnakken kurz und dann gehts weiter.
Schon bald fahre ich entlang des Rio Baker, der mit der selben blauen Farbe zu meiner Rechten dahinfließt. Ich zaudere anzuhalten oder nicht…, fahre aber durch, bis ich zum Parkplatz für die Confluencia von Rio Baker und Rio Neff komme. Ich muß ein Stückchen laufen aber es lohnt sich definitiv! Es ist eine wirklich große Stromschnelle, mit der sich der Rio Baker in den etwas schlammigeren Rio Neff ergießt aber gerade dieser Farbunterschied und die Wildheit des Flußßes macht das ganze Schauspiel unwahrscheinlich beeindruckend! Ich fotografiere wie wild, filme und lasse die Drohne fliegen und genieße natürlich auch so das Schauspiel. Die Sonne scheint und es ist ein herrlicher Tag, für den ich mal wieder sehr dankbar bin! An einer passenden Stelle etwas oberhalb erfrische ich mich im Rio Baker und trinke einen Schluck, auch auf die Gefahr hin Schlumpffarbe anzunehmen! Ein Ehepaar aus Argentinien fragt, wo ich her komme und so plauschen wir ein wenig und ich bekomme das Kompliment, das mein Spanisch sehr gut wäre. Hahaha! Ich nehme es gerne an als Motivation aber ich weiß, dass es nur sehr rudimenter taugt! Dafür kann der Herr tatsächlich ein paar Brocken Deutsch! Und so kann ich zurückloben. Der restliche Weg führt mich bis Cochrane, wiederum mit tollen Ausblicken und ein paar doofen Baustellen wo man schon mal 10-15min stehen muß. Das macht es nicht unbedingt gemütlich bei der Wärme und dem Staub, der von den Entgegenkommern aufgewirbelt wird. Vor mir steht ein Paar aus Argentinien mit ihrer R1000 und füllt Dichtmittel in den Hinterreifen und pump ihn noch weitestgehen auf. Ich frage, ob ich helfen kann aber sie wollen es so bis Cochrane schaffen. Ich bleibe eine Weile hinten dran, fallls es doch nötig wäre aber kurz vor Cochrane lasse ich sie ziehen und genieße noch einmal einen herrlichen Aussichtspunkt. Cochrane ist nicht wirklich spannend aber in guter Distanz als Zwischenstop mittendrin. Am ersten Hostal, wo ich anfrage ist alles belegt. lustigerweise sehe ich dort das Motorrad von Matthias stehen. Im Hostal schräg gegenüber werde ich fündig und quartiere mich ein.
Matthias treffe ich am nächsten Tag an der Tankstelle. Wie wohl für alle ist das nächste Ziel Caleta Tortel. Ein kleines Dorf, was sich entlang der Bucht Tortel erstreckt, das aber bis auf den Parkplatz und ein paar Häuser, Hotels und Tankstelle oberhalb, nur durch Holztreppen und -stege erreichbar ist. Wer sein Hotel also einen Kilometer weiter weg hat, darf schön schleppen! Ich habe wie immer nichts vorgebucht und viel Auswahl scheint es auch nicht zu geben aber ich will das Risiko eingehen! Matthias habe ich recht fix eingeholt und irgendwann auf der Strecke treffe ich auch Wolfgang der ein Päuschen macht. Es geht kein Wind, so wie teilweise an den Tagen davor auch schon und so steht der Staub auf der Schotterpiste beharrlich, egal ob vom Vorrausfahrenden, was ich als schlimmer empfinde, als auch von den Entgegenkommern. Gut durch dessen Wolke ist man irgendwann auch mal durch aber machnchmal sieht man kaum 20m. Wenn das nicht wäre, könnte man fast richtig angenehm die Landschaft drum herum genießen! Ich fahre in Caleta Tortel ein und das Parkplatzrondel ganz vorne ist brechend voll. Ich halte erstmal an der Seite von der Touriinfo aber bzgl. Unterkünften kann er mir nicht sehr viel helfen. Ich soll doch gleich mal da vorne fragen. Ein kleines Restaurant mit angeschlossenem Hostal hat tatsächlich noch was frei, auch zu einem Preis mit dem ich leben kann. Uns was ein Zufall, im Restaurant sitzten „Pi“ und Rowan, die gerade Mittag machen. Glücklicherweise wird direkt davor ein Parkplatz frei, den ich mir gleich schnappe und mich so stelle, dass evtl. auch noch ein zweites Motorrad platz findet. Matthias läuft mir über den Weg, er hat ein Hotel oberhalb mit direktem Parkplatz gefunden. Mein Zimmer ist klein und naja, nicht das allerbeste, was ich bisher hatte, mit Gemeinschaftsbad. Wobei ich erstmal der Einzige zu sein scheine! Ich will für zwei Tage bleiben. Für den nächsten Tag ist ordentlich Regen angesagt, beste Vorraussetzungen für ein bisschen Arbeit am Rechner. Ich gehe hoch ins Restaurant und schwatze noch etwas mit Paolo und esse dann selber eine Kleinigkeit! Der Rest des Tages geht natürlich für einen Spaziergang über die diversen Treppen und Stege drauf. Tortel erstreckt sich schon ein paar weinge Kilometer und irgendwie ist es ganz nett! Ich finde sogar einen kleinen Platz mit einer Kaffee-Imbisbude und nutze die Gelegenheit…, Kaffee und Kuchen zu machen! Ich wundere mich was sie mit „Berlin“ meinen, das haben sie auch im Angebot! Als ich die kleinen Runden Gebäckbälle sehe weiß ich, dass sie Pfannkuchen/Kräppl meinen. Allerdings sind sie, zumindest vom Aussehen, nicht mit unseren vergleichbar! Ich schländere weiter bis fast ans Ende vom Ort und über eine kleine Brücke und Steg laufe ich zum hiesigen Strand. Es gibt da eine kleine Bude für ein paar Souvenirs und ein paar Getränken und mir wäre glatt nach einem Bier… Hat sie aber nicht! Dafür einen Plastebecher mit zwei Pfirsichen und sowas wie Graupen am Boden, das sie mir anbietet. Sie meint, das ist „sehr Chilenisch“! Farblich etwas abschreckend, lasse ich mich darauf ein! Hm, also es ist lecker! Sehr sogar! Es ist süß aber eben nicht zu sehr. Schön fruchtig und die Graupen, von denen ich den Namen schon wieder vergessen habe, runden das ganze ab. Sie machen das Ganze etwas knackiger! Ich steige wieder Treppen rauf, komme in die ein oder andere Sackgasse und sehe das Gerippe von einem neuen Haus! Eigentlich sind es nur Latten, die ein Gerüst bilden, auf die dann Spanplatten genagelt werden. Ob es noch eine Dämmung gibt kann ich nicht sagen aber das was ich so bisher erlebt habe und auch in dem Zimmer in dem ich gerade bin, da hört man alles! Jedes Wort, jede Bewegung und die Temperaturen schwanken zusammen mit den Temperaturen draußen! Vielleicht etwas abgeschwächter aber spürbar, mit nur geringer Verzögerung. Der angekündigte Regen am nächsten Tag kommt und ich bin froh nicht auf dem Bock zu sitzen. Ob er mir allerdings auch das Motorrad sauber wäscht…? Ich sitze oben im Restaurant mit Blick auf die Bucht und den Regen und schreibe. Der Regen plattert ordentlich und ich habe ganz und gar nicht das Gefühl irgendetwas zu verpassen! Zum Abend hin lässt der Regen nach und ich bewege mich vorsichtig die Holztreppen nach unten. Mir läuft Wolfgang über den Weg, wir suchen beide etwas zu essen und ein Bier. Er will die Woche halbwegs aussitzen und dann die Drei-Tages-Fähre nach Puerto Natales nehmen. Sie kostet so um die 300,- EUR aber dafür spart man sich auch eine Menge Fahrerei und die Unterkünfte und bekommt, was ich so gehört habe, wunderbare Blicke auf die Bergen in den Fjorden! Über seinen Status erfahre ich später, dass er nicht mitgekommen ist. Es ist nicht wie bei den anderen Fähren, wo das Motorrad zur Not dazwischen gepresst wird. Hier geht es durch die Dauer der Fahrt darum, dass jeder Mitreisende einen Sitzplatz bekommt. Sind die ausgebucht, kommt man nicht mehr mit.
So wirklich sauber ist das Motorrad nicht geworden. Es bräuchte ein bisschen Shampoo und wirkliche Zuwendung aber Schätzelein murrt nicht und wir machen uns auf zum Endspurrt ans Ende der Carretera Austral nach Villa O’higgins. Aber unweit von Caleta Tortel ist Caleta Yungai von wo die letzte Fähre geht, um den letzten Abschnitt zu meistern. Ich lerne Carlos und Jose kennen, beide auf einer 1300er BMW unterwegs, die die Carretera Austral gerade mal so abgespult haben. Coole Jungs! Diese Fähre ist mal Kostenlos und wie üblich geht auf der anderen Seite das Rennen um den ersten Platz los. Ich gehe davon aus, dass die beiden gewonnen haben. Gerade hier erinnert mich die Landschaft mal wieder total an Schweden. Ein weites Tal mit Fluß, Gestrüpp und Fjell liegt vor mir. Eigentlich fehlen nur die Rentiere. Schon bald reite ich in Villa O’Higgins ein und natürlich gibts die Obligatorischen Ortseingangsfotos! Aber das eigentliche Ziel liegt ein paar Kilometer weiter hinten am großen Schild, wo auch hier ALLE hin müssen, ans Ende der Carretera Austral! Da ich ganz gut in meiner Zeit liege, laufe ich etwas durch den kleinen Ort und mache natürlich Kaffee und Kuchen, dabei wird mir stolz ein Brocken Gletschereis presentiert! Ja, dass muss ich mir auch noch anschauen, einen Gletscher! Aber hier gibt es genug und spätestens den Perito Moreno werde ich ganz sicher besuchen. In dem kleinen Restaurant erfahre ich, was man hier noch alles für Wanderungen machen kann und so mache ich mich auf eine kleine Tour. Weiter als zu einer kleinen Hängebrücke gehe ich aber nicht, denn es ist nun doch schon später und bisschen was essen möchte ich dann doch noch. Ich werde von einem Maler, der mit seiner Staffelei am Fluß stand mitgenommen und somit schaffe ich es wieder ins selbe Restaurant, bevor es schließt!
Es regnet in der Nacht und auch am Morgen als ich packe! Ich treffe noch einmal kurz Jose und Carlos. Die beiden wollen, geführt, mit einem Unimog durch den Fluß den ich gestern über die Brücke überquert habe. Ich bin neidisch! Später sehe ich einen kleinen Film! Wirklich cool! Es tröpfelt immer mal wieder und Feuchtigkeit hängt in der Luft aber wirklich nass wird es nicht. Dafür staubt dann auch die Schotterstraße nicht, was ich super angenehm finde! Zurück an der Fähre stehen nur noch zwei andere Motorräder und somit ist das Mitkommen, gleich mit der nächsten kein Problem. Ich komme mit eine Familienvater ins Gespräch. Ich hatte ihn mit seiner Familie in O’Higgins getroffen, als wir gemeinsam den Start einer Herkules vom dortigen Flugplatz beobachteten. Eigentlich können seine Kinder auch deutsch sagt er aber, sie ware dann doch zu scheu. Ich halte noch einmal in Cochrane im selben Hostal, um dann am nächsten Tag etwas nördlich über den wunderschönen Paso Roballo nach Argentinien zu wechseln und somit vorerst die Carretera Austral wirklich beende.

































































































































































































































































































































































































































